Rezeptur mit chinesischen Kräutern, um die Hitze nach unten abzuleiten

Rezeptur mit chinesischen Kräutern, um die Hitze nach unten abzuleiten

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Dort, wo das Symptom Hitze als nach unten ableitend indiziert ist, wie z.B. bei Fieber, Schmerzen im Bauchbereich, (die durch Druck an Intensität zunehmen); Verstopfung, (ein gelber Zungenbelag und ein voller (shi) Puls) findet die Rezeptur Da cheng qi tang Anwendung. Die Rezeptur Da chen qi tang stammt aus dem Werk Shang han lun. Sie kann zur Behandlung von Hitze, die sich im Bereich des Magens bzw. Verdauungstraktes befindet, eingesetzt werden. Diese Hitze wird nach unten geleitet. Das chinesische Wort da bedeutet groß. Dies deutet darauf hin, dass diese Rezeptur eine große Wirkung entfalten kann. Laut TCM-Literatur sollte Verstopfung, die aufgrund eines inneren Überschusses besteht, durch eine abführende Behandlungsmethode behandelt werden. Innere Hitze sollte durch eine kühlende Behandlungsmethode behandelt werden.

Da cheng qi tang

  • (Größeres Dekokt, das das Qi ordnet)
  • et Rhz. Rhei (Dahuang) 7 g Kaiserkraut
  • Mirabilitium (Mangxiao) 8 g Ministerkraut
  • Aurantii immaturus (Zhishi) 9 g Polizeikraut
  • Magnoliae (Houpo) 12 g Polizeikraut

Wirkung:

Leitet Hitze kräftig nach unten aus.

Indikation:

Verstopfung, Blähungen, Völle- und Schweregefühl im Bereich des Bauches, Schmerzen, die durch Druck zunehmen, Härte des Bauches, fallweise erhöhte Körpertemperatur sowie Schwitzen im Bereich der Handinnenflächen und Fußsohlen.

Entsprechende westliche Krankheitsbilder:

  • Obstipation (Verstopfung)
  • Appendizitis (Entzündung des Wurmfortsatzes)
  • akute Cholezystitis (Gallenblasenentzündung)
  • akute Cholangitis (Entzündung der Gallengänge)
  • Wurmbefall des Darmes
  • akute Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse)
  • akute Pneumonie (Lungenentzündung) bei Kindern
  • Zunge: roter Zungenkörper; trockener, gelber oder sogar schwarzer Zungenbelag
  • Puls: tief (chen) und voll (shi)

Beschreibung der klassischen TCM-Rezeptur:

Die Rezeptur „Da cheng qi tang“ ist bereits im „Shang han lun“ zu finden. Sie wird hauptsächlich gegen Stagnationen im Bauchbereich und bei Vorliegen eines trockenen Stuhles verschrieben.

Die Analyse der einzelnen Kräuter:

Das bitter, thermisch kalte abführend wirkende Rdx. et Rhz. Rhei (Dahuang) wird als Kaiserkraut in dieser Rezeptur eingesetzt. Seine abführende Wirkung wird durch das Magisterkraut Mirabilitium (Mangxiao), dem eine Stuhl-aufweichende Wirkung zugeschrieben wird, unterstützt. Das Polizeikraut Fr. Aurantii immaturus (Zhishi) löst Verhärtungen auf. Es wirkt Nahrungsmittel-Stagnationen entgegen. Ctx. Magnoliae (Houpo), ein weiteres Polizeikraut, löst ebenfalls Qi-Stagnationen auf. Es kann eingesetzt werden, um Völlegefühl entgegen zu wirken.

Die Rezeptur „Da cheng qi tang“ ist während einer Schwangerschaft kontraindiziert. Geschwächte Patienten sollten diese Kräuter, wenn sie wirklich indiziert sind, nur in Kombination mit Qi-tonisierenden Kräutern einnehmen.

Entsprechende Rezeptur aus westlichen Kräutern:

  • et Rhz. Rhei Rhabarberwurzel 9 g Kaiserkraut
  • Radix Bardanae Klettenwurzel 4 g Ministerkraut
  • Herba Menthae piperitae Pfefferminze 3 g Polizeikraut
  • Pericarpium Citri ret. Mandarinenschalen 3 g Polizeikraut

Beschreibung der Rezeptur aus westlichen Kräutern:

Kaiserkraut dieser Rezeptur ist die bittere, thermisch kalte Rhabarberwurzel (Rdx. et Rhz. Rhei). Diese wirkt in der gegebenen Dosierung (9 Gramm pro Tag) Hitze nach unten ausleitend. Als Ministerkraut dient Klettenwurzel (Rdx. Bardanae). Diese kann ebenfalls eingesetzt werden, um Feuchte Hitze aus dem Bereich des Yang-Ming (Magen und Dickdarm) auszuleiten. Die beiden Polizeikräuter Pfefferminze (Herba Menthaepiperitae) und Mandarinenschalen (Pericarpium Citri ret.) lösen Qi-Stagnationen auf und wirken damit einem eventuell vorhandenen Völlegefühl entgegen. Zusätzlich unterstützen sie die Wirkung der Rhabarberwurzel (Rdx. et Rhz. Rhei) und Klettenwurzel (Rdx. Bardanae) in der Stuhlgang-fördernden Wirkung.

Literaturempfehlung:

Dr. Ploberger, F. (2017) Westliche und traditionell chinesische Heilkräuter, Schiedlberg: Bacopa.

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Dr. Florian Ploberger

Dr. med. Florian Ploberger, B.Ac., MA, TCM-Arzt, Tibetologe, Fachbuchautor. Internationale universitäre und interdisziplinäre Lehrtätigkeit und zahlreiche Publikationen in den Themenbereichen Tibetische Medizin und TCM. Präsident der Österreichischen Ausbildungsgesellschaft für Traditionelle Chinesische Medizin (ÖAGTCM). Mehrere Bücher veröffentlicht. (Schwerpunkte: Westliche Kräuter aus Sicht der TCM sowie Tibetische Medizin). Von der Direktion des Men-Tsee-Khang (Institut für Tibetische Medizin und Astrologie in Dharamsala, Nordindien) mit der Übersetzung der ersten beiden und des letzten Teils des bedeutendsten Werkes der Tibetischen Medizin (rgyud bzhi) beauftragt. Weitere Informationen finden Sie unter www.florianploberger.com