{"id":5486,"date":"2015-01-14T14:35:13","date_gmt":"2015-01-14T13:35:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.naturmed.de\/blog\/?page_id=5486"},"modified":"2025-07-08T15:39:16","modified_gmt":"2025-07-08T13:39:16","slug":"materia-medica","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.naturmed.de\/blog\/materia-medica\/","title":{"rendered":"Materia Medica &#8211; Chinesische Heilpflanzen und ihre Wirkung"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Materia Medica der wichtigsten chinesischen Heilkr\u00e4uter<\/strong><\/h2>\n<figure id=\"attachment_5457\" aria-describedby=\"caption-attachment-5457\" style=\"width: 261px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.naturmed.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/chin_kraeuter-300x200.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5457 \" src=\"https:\/\/www.naturmed.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/chin_kraeuter-300x200.jpg\" alt=\"chin_kraeuter-300x200\" width=\"261\" height=\"174\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5457\" class=\"wp-caption-text\">Chinesische Kr\u00e4uter sind seit Jahrtausenden bew\u00e4hrte Arzneimittel<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Hintergr\u00fcnde zur chinesischen Phytotherapie<\/h3>\n<div id=\"idTextPanel\" class=\"jqDnR\">\n<p>In China macht die Behandlung mit chinesischen Phytotherapeutika circa 70-80% der Behandlungen im Rahmen der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) aus. In Europa und in den USA ist es genau umgekehrt. Den Hauptanteil an Behandlungen mit den Therapiemethoden der TCM stellt die Akupunktur dar. Noch relativ wenige Therapeuten haben sich mit der chinesischen Phytotherapie befasst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>V<\/strong><strong>on<\/strong> <strong>d<\/strong><strong>er<\/strong> <strong>Diagnose <\/strong><strong>zur richtigen Arzneimittelrezeptur<\/strong><\/h3>\n<\/div>\n<p>Die richtige Diagnose bei einem Patienten zu stellen ist nicht immer einfach. Hierzu gibt es vier wichtige Untersuchungsmethoden: Sehen, H\u00f6ren\/Riechen, Tasten und Befragen.<\/p>\n<p>Wir gewinnen Daten aus der Befragung des Patienten &#8211; somit aus der Beobachtung und Introspektion des Patienten selbst &#8211; und aus den Beobachtungen des Therapeuten. Dies schlie\u00dft die klassischen Untersuchungsmethoden wie Puls und Zungendiagnostik, aber auch das Betrachten des Teint, des Gesichtsausdruckes und der K\u00f6rperhaltung ein. Alles zusammen ergibt eine Datensammlung, die die Grundlage f\u00fcr die weiteren Schritte der Diagnosefindung ist.<\/p>\n<p>Die korrekte Diagnosestellung ist die Grundvoraussetzung f\u00fcr die Auswahl der richtigen und damit optimal wirksamen Rezeptur. Das gilt ebenfalls f\u00fcr eine Behandlung mittels konstitutioneller Akupunktur und\/oder chinesischer Di\u00e4tetik. Nach der genauen Diagnoseformulierung, dem Zusammenstellen und Auswahl der Therapie, dem Feststellen des energetischen Zustands, werden die Therapieprinzipien und deren Behandlung mit Akupunktur, Di\u00e4tetik und chinesischer Kr\u00e4utertherapie (Rezepturen) definiert.<\/p>\n<p>Somit stellt die Rezeptur ein exaktes Abbild des physiologischen Zustandes des Patienten dar.<\/p>\n<h3>Die Praxis der Rezeptierung mit chinesischen Kr\u00e4utern<\/h3>\n<p>Im Gegensatz zur abendl\u00e4ndischen Phytotherapie wird in der chinesischen Phytotherapie eigentlich immer eine Rezeptur verabreicht. Die Erstellung einer Rezeptur erfolgt wie so vieles im durchstrukturierten Leben in China nach festen Regeln. Der Aufbau einer Arzneimittelrezeptur enth\u00e4lt vier Positionen, die jedoch nicht zwingend alle immer besetzt sein m\u00fcssen. Umgekehrt werden auch oft mehrere Arzneien in einer Funktion eingesetzt. So gibt es zahlreiche Rezepte mit sechs oder auch acht Drogen. Dabei sind dann z.B. zwei Herrscher oder zwei Minister oder auch zwei Assistenten vorhanden.<\/p>\n<h3>Struktur und Aufbau einer Rezeptur mit chinesischen Kr\u00e4utern<\/h3>\n<ol>\n<li>Herrscher -Hauptarznei mit der Hauptwirkrichtung auf Hauptbefund<\/li>\n<li>Minister &#8211; Ministerarznei, verst\u00e4rkt Hauptarznei, richtet sich auf Nebenbefunde<\/li>\n<li>Assistent &#8211; Hilfsarznei, richtet sich auf Nebenbefunde und gleicht unerw\u00fcnschte Wirkungen aus<\/li>\n<li>Adjutant\/Bote &#8211; Ausgleichsarznei, harmonisiert, puffert, konzentriert die Wirkrichtung<\/li>\n<\/ol>\n<p>Nach Auswahl einer klassischen Rezeptur gibt es mehrere M\u00f6glichkeiten eine klassische Rezeptur auf die individuellen Gegebenheiten des jeweiligen Patienten exakt auszurichten.<\/p>\n<p>M\u00f6chte der Therapeut eine f\u00fcr seinen Patienten passende Rezeptur noch auf ein spezielles Symptom des Patienten ausrichten, das in der Grundrezeptur nicht ber\u00fccksichtigt ist, kann er ein oder zwei Arzneidrogen dem klassischen Rezept hinzuf\u00fcgen. Zum Beispiel hat ein Patient mit einem Nieren-Yin-Mangel vielleicht besonders ausgepr\u00e4gte Probleme mit den Knochen. So wird dieses zwar mit der klassischen Rezeptur Rehmannia 6 <em>Liu Wei Di Huang Wan<\/em> auch all- m\u00e4hlich besser werden, da dieses Rezept die Nieren-Energie tonisiert, die ja auch f\u00fcr die Knochen verantwortlich ist. Der Behandler kann aber auch ein besonders die Knochen wirksames Nieren-Tonikum wie Radix Dipsacki <em>Xu<\/em> <em>Duan<\/em> hinzuf\u00fcgen und so die Wirksamkeit noch mehr auf die Bed\u00fcrfnisse des einzelnen Patienten anpassen.<\/p>\n<h3><strong>Weglassen<\/strong> <strong>einer oder mehrerer Heilkr\u00e4uter<\/strong><\/h3>\n<p>Nat\u00fcrlich kann der Verordner sich auch daf\u00fcr entscheiden, eine oder mehrere Arzneien aus einer traditionellen Rezeptur wegzulassen. Daf\u00fcr kann es mehrere Gr\u00fcnde geben. Zum einen kann eine Arznei einfach aus liefertechnischen Gr\u00fcnden derzeit nicht verf\u00fcgbar sein. Handelt es sich um eine nicht so wichtige Droge in der betreffenden Rezeptur, dann ist es denkbar, diese Droge einfach wegzulassen oder gegen eine \u00e4hnliche zu ersetzen. Es kann auch sein, dass eine Droge auf den Zustand des entsprechenden Patienten nicht optimal passt und sie deshalb wegge- lassen werden sollte.<\/p>\n<h3><strong>Ersetzen einer oder mehrerer Arzneien durch andere<\/strong> <strong>Kr\u00e4uter<\/strong><\/h3>\n<p>Falls es keine optimale klassische Rezeptur f\u00fcr eine bestimmte Situation eines Patienten gibt, ist es das Beste, eine Rezeptur zu w\u00e4hlen, die dem Zustand so \u00e4hnlich wie m\u00f6glich entspricht und diese dann auf die individuellen Erfordernisse umzuschneidern, bis sie passt. Dabei ist es nat\u00fcrlich m\u00f6glich, die drei genannten Verfahren des Hinzuf\u00fcgens, des Weglassens und des Ersetzens zu kombinieren.<\/p>\n<h3><strong>Dosis\u00e4nderung einer oder mehrerer Arzneien in der chinesischen Medizin<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>Nicht untersch\u00e4tzt werden sollte die Wirkung einer Dosis\u00e4nderung in einem klassischen vorgegebenen Rezept. Auch damit kann der Gesamtvektor der Rezeptur in verschiedene Richtungen gelenkt werden. So kann durch eine Dosisreduzierung aus einer Herrscher-Droge eine weniger zentrale Arznei in einer Rezeptur werden. Durch Dosiserh\u00f6hung einer sehr kalten Arznei wird der Temperaturvektor des gesamten Rezeptes k\u00fchler werden.<\/p>\n<h3>Zubereitung eines Dekoktes mit chinesischen Kr\u00e4utern<\/h3>\n<p>F\u00fcr die Zubereitung eines Dekoktes gibt es grunds\u00e4tzlich mehrere M\u00f6glichkeiten. Im Folgenden wird die Kochanleitung beschrieben, wie sie der Autor seinen Patienten empfiehlt:<\/p>\n<ul>\n<li>Geben Sie die Menge eines Beutels in einen Kochtopf mit 3\/4 &#8211; 1 Liter kaltemWasser und kochen Sie dieses Gemisch zugedeckt auf kleiner Flamme ca. 30 Minuten. Gie\u00dfen Sie dann den Tee durch ein Sieb ab!<\/li>\n<li>Geben Sie nun die Kr\u00e4uter zur\u00fcck in den Topf und kochen Sie ein zweites Mal wie oben beschrieben Gie\u00dfen Sie den zweiten Tee durch ein Sieb demersten hinzu!<\/li>\n<\/ul>\n<p>Trinken Sie den Tee \u00fcber zwei Tage verteilt in 2-3 Portionen pro Tag 15-30 Minuten vor den Mahlzeiten noch warm oder wieder erw\u00e4rmt (bitte dabei nicht noch einmal aufkochen lassen)<\/p>\n<h4>Darreichungsformen chinesischer Kr\u00e4uter:<\/h4>\n<ul>\n<li>Dekokt<\/li>\n<li>Pille<\/li>\n<li>Pulver<\/li>\n<li>Arzneitrunk, Tropfen<\/li>\n<li>Umschl\u00e4ge, Auflagen<\/li>\n<li>Granulat<\/li>\n<li>Tabletten<\/li>\n<li>Hydrophile Konzentrate<\/li>\n<li>Alkoholische Tinkturen<\/li>\n<li>Salben, Cremes, Lotionen<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Dosierung der chinesische Kr\u00e4uter<\/h3>\n<p>Die Dosierung h\u00e4ngt vor allem auch vom Lebensalter und vom K\u00f6rpergewicht ab. Die nachfolgende Tabelle gibt eine Orientierung:<\/p>\n<ul>\n<li>Kinder 2-4 Jahre = 1 g je Droge<\/li>\n<li>Kinder 6-4 Jahre = 1\/4 Dosis<\/li>\n<li>Kinder 12-6 Jahre = 1\/2 Dosis<\/li>\n<li>Erwachsene: Normale Dosis = 100%<\/li>\n<\/ul>\n<p>Neben dem Lebensalter spielt auch eine Rolle, ob es sich um einen F\u00fclle- oder Leere-Typus beim jeweiligen Patienten handelt. Ein kr\u00e4ftiger junger Mann braucht eine etwas st\u00e4rkere Dosierung als eine geschw\u00e4chte, zierliche und zarte Frau. Zus\u00e4tzlich wird beim Vorliegen von pathogenen Faktoren &#8211; im Westen w\u00fcrde man von \u201eVirulenz&#8220; eines Erregers sprechen &#8211; die St\u00e4rke des Pathogens ber\u00fccksichtigt. Liegt eine massive Wind-K\u00e4lte-Invasion in der Oberfl\u00e4che vor oder nur ein kleiner, banaler Infekt? Insgesamt gilt, dass eine F\u00fclle-Pathologie eher kurz, aber mit h\u00f6heren Dosierungen \u201eangegriffen&#8220; wird, w\u00e4hrend es eine Leere eher sanft und langfristig aufzuf\u00fcllen gilt. Bei einer Leere kann die F\u00e4higkeit, die st\u00e4rkenden Drogen aufzunehmen, eingeschr\u00e4nkt sein und eine milde und vorsichtige Tonisierung tr\u00e4gt einer gegebenenfalls geschw\u00e4chten Milz ebenfalls Rechnung.<\/p>\n<h2>Materia Medica chinesischer Heilkr\u00e4uter<\/h2>\n<p><strong>Gruppeneinteilung<\/strong> <strong>der Materia Medica<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die<\/strong> <strong>Oberfl\u00e4che<\/strong> <strong>b<\/strong><strong>efreiende<\/strong>\u00a0<strong>Kr\u00e4uter<\/strong><\/p>\n<p>Warme, scharfe, die Oberfl\u00e4che befreiende Kr\u00e4uter<\/p>\n<p>K\u00fchle, scharfe, die Oberfl\u00e4che befreiende Kr\u00e4uter<\/p>\n<p><strong>Hitze<\/strong> <strong>kl\u00e4rende<\/strong>\u00a0<strong>Kr\u00e4uter<\/strong><\/p>\n<p>Feuer ableitende Kr\u00e4uter<\/p>\n<p>Blut k\u00fchlende Kr\u00e4uter<\/p>\n<p>Hitze kl\u00e4rende, N\u00e4sse trocknende Kr\u00e4uter<\/p>\n<p>Hitze kl\u00e4rende, Toxine mildernde Kr\u00e4uter<\/p>\n<p><strong>N\u00e4sse<\/strong> <strong>ausleitende<\/strong>\u00a0<strong>Kr\u00e4uter<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wind-N\u00e4sse<\/strong> <strong>vertreibende<\/strong>\u00a0<strong>Kr\u00e4uter<\/strong><\/p>\n<p><strong>Schleim<\/strong> <strong>transformierende<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>Husten<\/strong> <strong>stillende<\/strong>\u00a0<strong>Kr\u00e4uter<\/strong><\/p>\n<p>Warme Schleim-K\u00e4lte umwandelnde Drogen<\/p>\n<p>K\u00fchle Schleim-Hitze umwandelnde Drogen<\/p>\n<p>Husten stillende, Keuchen lindernde Drogen<\/p>\n<p><strong>Aromatische<\/strong> <strong>N\u00e4sse<\/strong> <strong>transformierende<\/strong>\u00a0<strong>Kr\u00e4uter<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nahrungsstagnation<\/strong> <strong>lindernde<\/strong>\u00a0<strong>Kr\u00e4uter<\/strong><\/p>\n<p><strong>Qi<\/strong> <strong>regulierende<\/strong>\u00a0<strong>Kr\u00e4uter<\/strong><\/p>\n<p><strong>Blut<\/strong> <strong>regulierende<\/strong>\u00a0<strong>Kr\u00e4uter<\/strong><\/p>\n<p>Blut belebende Kr\u00e4uter<\/p>\n<p>Blutungen stoppende Kr\u00e4uter<\/p>\n<p><strong>Das<\/strong> <strong>Innen<\/strong> <strong>w\u00e4rmende,<\/strong> <strong>K\u00e4lte<\/strong> <strong>austreibende<\/strong>\u00a0<strong>Kr\u00e4uter<\/strong><\/p>\n<p><strong>T<\/strong><strong>o<\/strong><strong>nisierende<\/strong>\u00a0<strong>Kr\u00e4uter<\/strong><\/p>\n<p>Qi tonisierende Kr\u00e4uter<\/p>\n<p>Blut tonisierende Kr\u00e4uter<\/p>\n<p>Yang tonisierende Kr\u00e4uter<\/p>\n<p>Yin tonisierende Kr\u00e4uter<\/p>\n<p><strong>Stabilisierende<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>haltende<\/strong>\u00a0<strong>Kr\u00e4uter<\/strong><\/p>\n<p><strong>Den<\/strong> <strong>Geist<\/strong> <strong>beruhigende<\/strong>\u00a0<strong>Kr\u00e4uter<\/strong><\/p>\n<p>Absenkende, den Geist beruhigende Kr\u00e4uterKr\u00e4uter<\/p>\n<p>Das Herz n\u00e4hrende, den Geist beruhigende <strong>Kr\u00e4uter<\/strong><\/p>\n<p><strong>Aromatische,<\/strong> <strong>die<\/strong> <strong>Sinne<\/strong> <strong>\u00f6ffnende<\/strong> <strong>Kr\u00e4uter<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wind<\/strong> <strong>beseitigende<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>krampfl\u00f6sende<\/strong>\u00a0<strong>Kr\u00e4uter<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Charakterisier<\/strong><strong>ung<\/strong> <strong>der chinesischen Heilkr\u00e4uter<\/strong><\/h3>\n<p><strong>Die<\/strong> <strong>drei<\/strong> <strong>wichtigsten<\/strong> <strong>Hauptinformationen<\/strong> <strong>zu<\/strong> <strong>jeder<\/strong> <strong>Arzneidroge<\/strong> <strong>sind:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Temperatur<\/li>\n<li>Geschmack<\/li>\n<li>Wirkort<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Temperaturverhalten chinesischer Heilkr\u00e4uter<\/h3>\n<p>Die Temperatur einer Droge beschreibt die thermische Wirkung einer Arznei unabh\u00e4ngig von ihrer physikalischen Temperatur. Die Beschreibung benutzt dabei f\u00fcnf verschiedene Begriffe als Skalierungssystem von hei\u00df bis kalt. Mit warm, neutral und k\u00fchl werden Zwischenabstufungen bezeichnet.<\/p>\n<p><strong>Anmerkung:<\/strong> Die sehr hei\u00dfen Drogen sollten nur bei sicherem Befund von massiver innerer K\u00e4lte und echtem Yang-Mangel gegeben werden. Der sicherste Parameter, der dies garantiert, ist ein sehr blasser und gedunsener Zungenk\u00f6rper. (Blass und eher geschrumpft w\u00fcrde auf Blut-Mangel hindeuten &#8211; also auch keine Indikation f\u00fcr Aconit). Die sehr kalten Arzneien &#8211; wie Gypsum &#8211; sollten ebenfalls nur bei eindeutigem und echten Hitze-Zeichen angewendet werden: Ein roter Zungenk\u00f6rper ist auch hier analog das zuverl\u00e4ssigste Zeichen.<\/p>\n<h4><strong>Der Geschmack von chinesischen Heilkr\u00e4utern<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<p>Das lateinische Wort f\u00fcr Geschmack lautet <em>sapor<\/em>. Das Verb <em>sapere<\/em> hei\u00dft schmecken und auch wissen. Ein kleines Kind lernt zu Beginn die Welt kennen, indem es alles \u201ebegreift&#8220; und in den Mund steckt. Im Geschmack offenbaren die Heilkr\u00e4uter einen Teil ihrer Wirkung.<\/p>\n<h4>Hauptgeschmacksrichtungen sind:<\/h4>\n<ul>\n<li>scharf<\/li>\n<li>s\u00fc\u00df<\/li>\n<li>neutral<\/li>\n<li>sauer<\/li>\n<li>bitter<\/li>\n<li>salzig<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der <strong>scharfe<\/strong> Geschmack<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Wirkung:<\/strong> Au\u00dfen \u00f6ffnend, ausleitend<\/li>\n<li><strong>Funktionskreis:<\/strong> Lunge<\/li>\n<li><strong>Indikation:<br \/>\n<\/strong>Wind-K\u00e4lte &#8211; Herba Ephedrae, Rhizoma, Zingiberis recens,Wind-Hitze &#8211; Radix Bupleuri, Herba Menthae<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der <strong>s\u00fc\u00dfe<\/strong> Geschmack<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Wirkung:<\/strong> Befeuchtend, st\u00e4rkend, beruhigend<\/li>\n<li><strong>Funktionskreis:<\/strong> Milz<\/li>\n<li><strong>Indikation:<br \/>\n<\/strong>Milz-Qi-Mangel &#8211; Radix Ginseng, Radix Astragali, Fructus Jujubae, Radix Glycyrrhiza<strong><br \/>\n<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Der <strong>saure <\/strong>Geschmack<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Wirkung:<\/strong> adstringierend<\/li>\n<li><strong>Funktionskreis:<\/strong> Leber, Lunge, Niere<\/li>\n<li><strong>Indikation:<br \/>\n<\/strong>Verlust-Syndrome, z.B. Jing-Verluste &#8211; Fructus Corni, Fructus Schisandrae<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der <strong>salzige<\/strong> Geschmack<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Wirkung: <\/strong>sammelnd, verankernd, erweichend, laxierend<\/li>\n<li><strong>Funktionskreis:<\/strong> Niere<\/li>\n<li><strong>Indikation:<br \/>\n<\/strong>Niere-Schw\u00e4che &#8211; Cornu Cervi, Herz-Yin-Mangel &#8211; Concha Ostrae, Obstipation &#8211; Mirabilitum (NaSO4)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der <strong>bittere<\/strong> Geschmack<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Wirkung: <\/strong>eliminierend, drainierend, hinabf\u00fchrend, trocknend<\/li>\n<li><strong>Funktionskreis:<\/strong> Herz, D\u00fcnndarm<\/li>\n<li><strong>Indikation:<br \/>\n<\/strong>Herz-Hitze &#8211; Fructus Gardeniae, Hitze-N\u00e4sse &#8211; Rhizoma Coptidis, Radix Scutellariae, Obstipation &#8211; Rhizoma Rhei<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Der Wirkort<\/strong><\/p>\n<p>Der Wirkort beschreibt, wo die Eigenschaften der Arznei wirken. Die hei\u00dfe Arznei Cortex Cinnamoni hat z.B. als Wirkort den Funktionskreis Niere. Daher st\u00e4rkt und w\u00e4rmt Cinnamoni besonders das Yang der Nieren &#8211; also im unteren Erw\u00e4rmer. Zus\u00e4tzlich zu dem angesprochenen Funktionskreis k\u00f6nnen Drogen aber auch eine Affinit\u00e4t zu einer bestimmten K\u00f6rperregion oder zu einem spezifischen Gewebe aufweisen.<\/p>\n<h2>Materia Medica &#8211; chinesische Kr\u00e4uter im \u00dcberblick<\/h2>\n<p>Bulbus Fritillariae, Chuan Bei Mu<\/p>\n<p>Caulis Bambusae intaeniam, Zhu Ru<\/p>\n<p>Concha Haliotidis, Shi Jue Ming<\/p>\n<p>Concha Ostrae, Mu li<\/p>\n<p>Cornu Cervi parvum, lu Rong<\/p>\n<p>Cortex Cinnamomi, Rou Gui<\/p>\n<p>Cortex Dictamni, Bai Xian Pi<\/p>\n<p>Cortex Eucommiae, Du Zhong<\/p>\n<p>Cortex Magnoliae, Hou Po<\/p>\n<p>Cortex Moutan, Mu Dan Pi<\/p>\n<p>Cortex Phellodendri, Huang Bai<\/p>\n<p>Flos Carthami, Hong Hua<\/p>\n<p>Flos Chrysanthemi, Ju Hua<\/p>\n<p>Flos Lonicerae, Jin Yin Hua<\/p>\n<p>Folium Mori, Sang Ye<\/p>\n<p>Fructus &amp; Semen Trichosanthis, Gualou\/ Gua lou Ren<\/p>\n<p>Fructus Amomi, Sha Ren<\/p>\n<p>Fructus Chebulae, He Zi<\/p>\n<p>Fructus Citri Aurantii immaturi, Zhi Shi<\/p>\n<p>Fructus Citri Aurantii, Zhi Ke<\/p>\n<p>Fructus Cnidii, She Chuang Zi<\/p>\n<p>Fructus Corni, Shan Zhu Yu<\/p>\n<p>Fructus Crataegi, Shan Zha<\/p>\n<p>Fructus Evodiae, Wu Zhu Yu<\/p>\n<p>Fructus Forsythiae, lian Qiao<\/p>\n<p>Fructus Gardeniae, San Zhi Zi oder Zhi Zi<\/p>\n<p>Fructus lycii, Gou Qi Zi<\/p>\n<p>Fructus Oryzae germinatus, Gu Ya<\/p>\n<p>Fructus Schisandrae, Wu Wei Zi<\/p>\n<p>Fructus Tribuli, Bai Ji li<\/p>\n<p>Fructus Tritici, Fu Xiao Mai<\/p>\n<p>Fructus Xanthii, Cang Er Zi<\/p>\n<p>Gypsum Fibrosum, Shi Gao<\/p>\n<p>H\u00e4matitum, Dai Zhe Shi<\/p>\n<p>Herba Agrimoniae, Xian He Cao<\/p>\n<p>Herba Ecliptae, Han lian Cao<\/p>\n<p>Herba Ephedrae, Ma Huang<\/p>\n<p>Herba Epimedii, Yin Yang Huo<\/p>\n<p>Herba Leonuri, Yi Mu Cao<\/p>\n<p>Herba Menthae, Bo He<\/p>\n<p>Herba Schizonepetae, Jing Jie<\/p>\n<p>Massa Fermentata, Shen Qu<\/p>\n<p>Mirabilitum, Mang xiao<\/p>\n<p>Myrrha, Mo Yao<\/p>\n<p>Os Draconis, long Gu<\/p>\n<p>Pericarpium Citri viride, Qing Pi<\/p>\n<p>Pericarpium Citri, Chen Pi<\/p>\n<p>Periostracum Cicadae, Chan Tui<\/p>\n<p>Pollen Typhae, Pu Huang<\/p>\n<p>Polyporus, Zhu ling<\/p>\n<p>Poria, Fu ling<\/p>\n<p>Radix Aconiti praeparatae, Fu Zi<\/p>\n<p>Radix Adenophorae, Sha Shen<\/p>\n<p>Radix Angelicae dahuricae, Bai Zhi<\/p>\n<p>Radix Angelicae pubescentis, Du Huo<\/p>\n<p>Radix Asparagi, Tian Men Dong<\/p>\n<p>Radix Astragali, Huang Qi<\/p>\n<p>Radix Bupleuri, Chai Hu<\/p>\n<p>Radix Codonopsitis, Dang Shen<\/p>\n<p>Radix Dipsaci, Xu Duan<\/p>\n<p>Radix Ephedrae, Ma Huang Gen<\/p>\n<p>Radix et Rhizoma Rhei, Da Huang<\/p>\n<p>Radix Gentianae Qin jiao, Qin Jiao<\/p>\n<p>Radix Gentianae, long Dan Cao<\/p>\n<p>Radix Ginseng, Ren Shen<\/p>\n<p>Radix Glyzyrrhizae, Gan Cao<\/p>\n<p>Radix ledebouriellae\/ Saposhnikoviae, Fang Feng<\/p>\n<p>Radix Paeonia erubrae, ChiShao<\/p>\n<p>Radix Platycodi, Jie Geng<\/p>\n<p>Radix Polygalae, Yuan Zhi<\/p>\n<p>Radix Rehmanniae glutinosae, Sheng Di Huang<\/p>\n<p>Radix Salviae miltiorrhizae, Dan Shen<\/p>\n<p>Radix Sanguisorbae, Di Yu<\/p>\n<p>Radix Scrophulariae, Xuan Shen<\/p>\n<p>Radix Scutellariae, Huang Qin<\/p>\n<p>Radix Sophorae, Ku Shen<\/p>\n<p>Radix Trichosanthis, Tian Hua Fen<\/p>\n<p>RadixAchyranthis, Niu Xi<\/p>\n<p>RadixAngelicae sinensis, Dang Gui<\/p>\n<p>RadixMorindae, Bai Ji Tian<\/p>\n<p>RadixPaeoniae lactiflorae, Bai Shao<\/p>\n<p>RadixPolygoni multiflori, He Shou Wu<\/p>\n<p>RadixRehmanniae praeparatae, Shu Di Huang<\/p>\n<p>Ramulus Cinnamomi, Gui Zhi<\/p>\n<p>Ramulus loranthii, Sang Ji Sheng<\/p>\n<p>Ramulus Mori, Sang Zhi<\/p>\n<p>Ramulus Uncariae, Gou Teng<\/p>\n<p>Rhizma Ligustici, Chuan Xiong<\/p>\n<p>Rhizoma Acori graminei, Shi Chang Pu<\/p>\n<p>Rhizoma Alismatis, Ze Xie<\/p>\n<p>Rhizoma Anemarrhenae, Zhi Mu<\/p>\n<p>Rhizoma Arisaematis, Tian Nan Xing<\/p>\n<p>Rhizoma Atractylodis macrocephalae, Bai Zhu<\/p>\n<p>Rhizoma Atractylodis, Cang Zhu<\/p>\n<p>Rhizoma Cimicifugae, Sheng Ma<\/p>\n<p>Rhizoma Coptidis, Huanglian<\/p>\n<p>Rhizoma Corydalidis, Yan Hu Suo<\/p>\n<p>Rhizoma Cyperi, Xiang Fu<\/p>\n<p>Rhizoma Dioscoreae. Shan Yao<\/p>\n<p>Rhizoma Gastrodiae, Tian Ma<\/p>\n<p>Rhizoma Notopterygii, Qiang Huo<\/p>\n<p>Rhizoma Phragmitis, lu Gen<\/p>\n<p>Rhizoma Pinelliae, Ban Xia<\/p>\n<p>Rhizoma Polygonati, Yu Zhu<\/p>\n<p>Rhizoma Zingiberis recens, Sheng Jiang<\/p>\n<p>Rhizoma Zingiberis, Gan Jiang<\/p>\n<p>Semen Armeniacae, Xing Ren<\/p>\n<p>Semen Biotae, Bai Zi Ren<\/p>\n<p>Semen Cannabis, Ma Zi Ren<\/p>\n<p>Semen Coicis, Yi Yi Ren<\/p>\n<p>Semen Cuscutae, Tu Si Zi<\/p>\n<p>Semen Dolichoris Lablab, Da Zao<\/p>\n<p>Semen Nelumbinis, lian Zi<\/p>\n<p>Semen Persicae, Tao Ren<\/p>\n<p>Semen Plantaginis, Che Qian Zi<\/p>\n<p>Semen Raphani, lai Fu Zi<\/p>\n<p>Semen Zizyphi, Suan Zao Ren<\/p>\n<p>Talcum, Hua Shi<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3><strong>\u00a0<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Materia Medica der wichtigsten chinesischen Heilkr\u00e4uter Hintergr\u00fcnde zur chinesischen Phytotherapie In China macht die Behandlung mit chinesischen Phytotherapeutika circa 70-80% der Behandlungen im Rahmen der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) aus. In Europa und in den USA ist es genau umgekehrt. Den Hauptanteil an Behandlungen mit den Therapiemethoden der TCM stellt die Akupunktur dar. 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