{"id":11563,"date":"2017-02-15T16:41:37","date_gmt":"2017-02-15T15:41:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.naturmed.de\/blog\/?p=11563"},"modified":"2025-08-24T16:57:26","modified_gmt":"2025-08-24T14:57:26","slug":"die-padma-rezeptur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.naturmed.de\/blog\/naturheilkunde\/die-padma-rezeptur\/","title":{"rendered":"PADMA 28 und PADMA CIRCOSAN"},"content":{"rendered":"<h3>Charakterisierung \u00a0der pflanzlichen Wirkstoffe PADMA 28 und PADMA CIRCOSAN aus Sicht der TCM<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11536 alignleft\" src=\"https:\/\/www.naturmed.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/spice-235219_1920.jpg\" alt=\"\" width=\"257\" height=\"171\" srcset=\"https:\/\/www.naturmed.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/spice-235219_1920.jpg 1920w, https:\/\/www.naturmed.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/spice-235219_1920-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.naturmed.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/spice-235219_1920-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.naturmed.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/spice-235219_1920-331x219.jpg 331w\" sizes=\"auto, (max-width: 257px) 100vw, 257px\" \/>Die in der TCM \u00fcbliche Vorgangsweise, Kaiserkr\u00e4uter, Ministerkr\u00e4uter, Polizeikr\u00e4uter sowie Botenkr\u00e4uter zu definieren, l\u00e4sst sich auf Arzneimittelmischungen der Tibetischen Medizin nicht direkt \u00fcbertragen, da die Mischungen der Tibetischen Medizin in der Regel aus einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl von Einzelkr\u00e4utern bestehen als klassische TCM-Rezepturen.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise l\u00e4sst sich jedoch ein \u201eKaiserkraut\u201c definieren: Hierbei handelt es sich um<\/p>\n<p>D-Camphora (Kristallisat des Campherbaum\u00f6ls), mit der tibetischen Bezeichnung Ga Bur. Der namensgebende Bestandteil der Rezeptur, Campher ist thermisch k\u00fchl und besitzt einen bitteren, scharfen, adstringierenden Geschmack. Anwendungsgebiete sind haupts\u00e4chlich Hitze im Bereich der Lunge und des Herzens sowie Kurzatmigkeit. Dar\u00fcber hinaus wird Campher aufgrund seiner schweisstreibenden Wirkung eingesetzt (tshul khrim skal bzang 2008: 51).<\/p>\n<h4>Die Wirkungen der weiteren Bestandteile der Rezeptur:<\/h4>\n<p>Kaempferia galanga L. Rhizoma (Kaempferia-galanga-Rhizom) ist ein scharfer, bitterer, adstringierender und thermisch warmer Wurzelstock, der eingesetzt wird, um das Milz-Qi und -Yang zu tonisieren sowie Nahrungsmittel-Stagnationen zu beseitigen (tshul khrim skal bzang 2008: 84).<\/p>\n<p>Bei Saussurea costus (FALC.) LIPSCHITZ, radix (Indische Costuswurzel) handelt es sich um eine scharfe, bittere, thermisch warme Wurzel, welche haupts\u00e4chlich den Organen Gallenblase, Dickdarm, Milz sowie Magen zugeordnet wird. Sie wird haupts\u00e4chlich verwendet, um das Qi zu bewegen, Schmerzen zu vermindern, Nahrungsmittel-Stagnationen zu beseitigen sowie das Milz-Qi zu tonisieren.<\/p>\n<p>Cetraria islandica (L.) ACHARIUS s.l., thallus (Isl\u00e4ndisches Moos) ist s\u00fc\u00df, bitter, thermisch warm und wird den Organen Lunge sowie Magen zugeordnet. Zu den Funktionen z\u00e4hlen haupts\u00e4chlich das Tonisieren von Lungen-Qi und -Yin. Dar\u00fcber hinaus wirkt diese Pflanze als Expektorans sowie als Mittel gegen eine Umkehrung des Magen-Qi.<\/p>\n<p>Antelaea azadirachta (L.) ADELBERT, fructus (Nimbaumfrucht) besitzt einen scharfen, bitteren Geschmack und ist thermisch warm. Haupts\u00e4chliche Anwendungsgebiete sind das Ausleiten von Feuchtigkeit sowie die Regulation der Qi-Zirkulation.<\/p>\n<p>Bei Elettaria cardamomum (ROXB.) MATON var. minuscula BURK., fructus (Kardamomenfrucht) handelt es sich um scharfe, aromatische, thermisch warme Fr\u00fcchte, mit den Organzuordnungen Milz, Magen, Lunge und D\u00fcnndarm (Bensky 1993: 217). Diese werden eingesetzt, um das Milz-Yang zu tonisieren, Feuchte-K\u00e4lte entgegenzuwirken sowie die Trennungsfunktion des D\u00fcnndarmes anzuregen. Hiermit verhindert dieses Arzneimittel eine Verletzung des Qi und tr\u00e4gt dazu bei, dass die gesamte Rezeptur \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hindurch eingenommen werden kann.<\/p>\n<p>Terminalia chebula RETZ., fructus (Myrobalanenfrucht) besitzt in der Tibetischen Medizin einen gro\u00dfen Stellenwert. Selbst der Medizin-Buddha h\u00e4lt eine derartige Pflanze in seiner rechten Hand. Da diese Frucht au\u00dfer dem salzigen Geschmack s\u00e4mtliche Geschmacksrichtungen aufweist, kann sie laut traditioneller Sichtweise so gut wie jedes Krankheitsbild behandeln. Thermisch sind die Myrobalanenfr\u00fcchte warm (tshul khrim skal bzang 2008: 418).<\/p>\n<p>Pterocarpus santalinus L., lignum (Rotes Sandelholz) ist vom Geschmack her fad, thermisch k\u00fchl und wird eingesetzt, um die Diurese anzuregen, das Blut zu k\u00fchlen sowie Schwellungen zu reduzieren (tshul khrim skal bzang 2008: 277). Dar\u00fcber hinaus f\u00f6rdert es die Wundheilung (Men-Tsee-Khang 2011: 245).<\/p>\n<p>Pimenta dioica (L.) MERR, fructus (Nelkenpfeffer) ist scharf, thermisch hei\u00df und weist einen Organbezug zu Milz, Magen sowie Niere auf. Diese Pflanze wird eingesetzt, um das Milz-Yang zu tonisieren sowie K\u00e4lte zu vertreiben. Nelkenpfeffer wirkt somit aufgrund der thermisch hei\u00dfen Wirkung den thermisch k\u00fchlen Kr\u00e4utern als sogenanntes Botschaftskraut entgegen. Dar\u00fcber hinaus n\u00e4hrt sie das Nieren-Yang, welches ja auch die Basis f\u00fcr die Produktion von Wei-Qi darstellt. Nelkenpfeffer, der zuvor beschriebenen Kardamom, die noch folgenden drei Pflanzen Marmelosfr\u00fcchte, Gartenlattich sowie Gew\u00fcrznelken sind alle thermisch warm oder gar hei\u00df und bewirken, dass die gesamte Rezeptur thermisch als neutral bzw. lediglich leicht k\u00fchl anzusehen ist.<\/p>\n<p>Bei der n\u00e4chsten Pflanze, Aegle marmelos (L.) CORREA, fructus (Marmelosfrucht, bengalische Quitte) handelt es sich um bittere, thermisch warme Fr\u00fcchte, die einerseits eingesetzt werden, um Durchfall zu lindern, sowie andererseits die Wundheilung zu unterst\u00fctzen (tshul khrim skal bzang 2008: 223). Die Kombination eines bitteren, thermisch warmen Arzneimittels ist au\u00dfergew\u00f6hnlich. Sie eignet sich hervorragend, das Nieren-Yang zu tonisieren und somit Feuchtigkeit auszuleiten, ohne das Yin zu verletzen.<\/p>\n<p>Calcii sulfas hemihydricus (Calciumsulfat) ist salzig, thermisch k\u00fchl, und wird zum Ausleiten von Hitze sowie bei Durchfall eingesetzt.<\/p>\n<p>Aquilegia vulgaris L., herba (Akeleikraut) ist bitter, scharf, thermisch k\u00fchl und leitet speziell Feuchte-Hitze aus dem Bereich von Leber und Gallenblase.<\/p>\n<p>Glycyrrhiza glabra L., radix (S\u00fc\u00dfholzwurzel) kommt in vielen bekannten TCM-Rezepturen vor. Diese s\u00fc\u00dfe, thermisch neutrale Wurzel soll neben dem Bezug zur Milz zu s\u00e4mtlichen zw\u00f6lf \u00a0TCM-Organen eine Organzuordnung aufweisen. Einerseits wird S\u00fc\u00dfholzwurzel eingesetzt, um das Milz-Qi zu tonisieren, andererseits unterst\u00fctzt diese Wurzel die Resorption der Bestandteile einer Rezeptur (Bensky 1993: 323). Da diese Wurzel dar\u00fcber hinaus die oft durchaus unterschiedlichen Wirkungen der diversen Kr\u00e4uter einer Rezeptur als Polizeikraut harmonisiert, kommt S\u00fc\u00dfholzwurzel in zahlreichen traditionellen Rezepturen vor. Dar\u00fcber hinaus verleiht diese Wurzel der gesamten Mischung einen angenehmen, s\u00fc\u00dfen Geschmack. Rezepturen, die \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hindurch eingenommen werden, beinhalten aus den soeben angef\u00fchrten Gr\u00fcnden oft S\u00fc\u00dfholzwurzel.<\/p>\n<p>Plantago lanceolata L. s.l., folium (Spitzwegerichbl\u00e4tter) ist s\u00fc\u00df, thermisch k\u00fchl und leitet Feuchte-Hitze bzw. Hitze aus, ohne jedoch das Yin zu verletzen (Ploberger 2013a: 389), dies im Gegensatz zu bitteren, thermisch k\u00fchlen Kr\u00e4uter.<\/p>\n<p>Bei Polygonum aviculare L. s.l., herba (Vogelkn\u00f6terichkraut) handelt es sich um ein Yin-Tonikum, welches sowohl den Organen Niere, Lunge, aber auch Milz bzw. Magen zugeordnet wird. Dieses thermisch k\u00fchle, vom Geschmack her s\u00fc\u00dfe und leicht salzige Kraut wirkt nicht befeuchtend und kann somit l\u00e4ngerfristig zum Tonisieren des Yin verwendet werden. In dieser Rezeptur verhindert Vogelkn\u00f6terich eine Verletzung von Blut und Yin durch die bewegenden bzw. ausleitenden Kr\u00e4uter.<\/p>\n<p>Potentilla aurea L., herba (Goldfingerkraut) ist thermisch k\u00fchl, weist einen bitteren und s\u00fc\u00dfen Geschmack auf. Einerseits wird es zur Behandlung von Durchfall eingesetzt, andererseits unterst\u00fctzt es die Wundheilung und kann auch als allgemeines St\u00e4rkungsmittel eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Kraut, Syzygium aromaticum (L.) MERILL et L. M. PERRY, flos (Gew\u00fcrznelke), weist eine von den bisher betrachteten Kr\u00e4utern vollkommen unterschiedliche Wirkung auf. Der Geschmack ist scharf, die thermische Wirkung warm (Bensky 1993: 305). Diese Kombination eignet sich zum Tonisieren des Nieren-Yang sowie zum Vertreiben von Magen-K\u00e4lte. Tibetische Medikamente enthalten oft Einzelkr\u00e4uter mit stark divergierenden Wirkungen. Auf diese Art und Weise werden Nebenwirkungen moduliert und die l\u00e4ngere Einnahme eines Medikamentes erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Bei Sida cordifolia L., herba (Sidakraut, Sandmalve) handelt es sich um eine thermisch k\u00fchle Pflanze, mit leicht bitterem sowie scharfem Geschmack, die eingesetzt wird, um Feuchte-Hitze sowie Hitze auszuleiten.<\/p>\n<p>Valeriana officinalis L.s.l., radix (Baldrianwurzel) ist eine s\u00fc\u00dfe, bittere, scharfe, thermisch neutral Pflanze, welche eingesetzt werden kann, um innerem Wind entgegenzuwirken, den Geist (Shen) zu beruhigen, durch Yin-Mangel bedingte Hitze auszuleiten sowie Qi-Stagnationen im Bereich des Mittleren Erw\u00e4rmers zu behandeln.<\/p>\n<p>Lactuca sativa var. capitata L., folium (Gartenlattich) ist s\u00fc\u00df, bitter und thermisch warm. Hierbei handelt es sich um ein Kraut, welches das Lungen-Qi und -Yin n\u00e4hren kann, gleichzeitig aber auch Schleim-Stagnationen ausleitet. Dar\u00fcber hinaus kann Gartenlattich auf milde Art und Weise Toxischer-Hitze entgegenwirken. Kr\u00e4uter, die das Yin n\u00e4hren, ohne zu befeuchten, sind bei zahlreichen chronischen Krankheitsbildern einzusetzen, ohne dass man Nebenwirkungen bef\u00fcrchten m\u00fcsste. \u00c4hnlich wirkt die letzte in beiden Mischungen enthaltene Pflanze:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.naturmed.de\/blog\/wiki\/calendula\/\" data-internallinksmanager029f6b8e52c=\"1\" title=\"Heilpflanze Calendula\">Calendula<\/a> officinalis L., flos cum calyce (Ringelblumenbl\u00fctenk\u00f6pfchen). Mit leicht bitterem, s\u00fc\u00dfem sowie salzigem Geschmack versehen kann diese thermisch neutrale Pflanze eingesetzt werden, um Toxische-Hitze auszuleiten und mild Blut-Stagnationen entgegenzuwirken, ohne das Yin zu verletzen (Ploberger 2013a: 333). Hiermit k\u00f6nnen Ringelblumenbl\u00fctenk\u00f6pfchen bei zahlreichen Wundheilungsst\u00f6rungen sowie Durchblutungsproblematiken ohne Angst vor Nebenwirkungen eingesetzt werden. Dieses Kraut stellt wieder eine Ausnahme unter den bitteren Kr\u00e4utern dar. Ringelblumenbl\u00fctenk\u00f6pfchen sind im Unterschied zu den meisten anderen bitteren Kr\u00e4utern nicht kalt bzw. k\u00fchl, sondern neutral. Aufgrund des salzigen Geschmackes k\u00f6nnen sogar auf milde Art und Weise Schleim-Stagnationen ausgeleitet werden.<\/p>\n<p>Abschliessend sei die lediglich in dem Pr\u00e4parat PADMA 28 vorkommende Pflanze, n\u00e4mlich Aconitus napellum L., tuberis (Eisenhutknollen, 1 mg pro Kapsel, enspr. 0.25 Gew.-% der Wirkstoffmischung ) beschrieben: aus Sicht der TCM ist der Eisenhutknollen vom Geschmack her scharf, thermisch hei\u00df und wird den Organen Herz, Niere sowie Milz zugeordnet. Er wird eingesetzt, um verschwindendes Yang zu retten, das Feuer zu w\u00e4rmen, K\u00e4lte zu vertreiben, im Bereich der Meridiane zu w\u00e4rmen sowie Schmerzen zu lindern.<\/p>\n<h3><strong>Fazit<\/strong><\/h3>\n<p>Aus Sicht der TCM handelt es sich bei PADMA 28 und PADMA CIRCOSAN um thermisch neutrale bzw. leicht k\u00fchle, vom Geschmack her scharfe, bittere, leicht aromatische Mischungen, welche eingesetzt werden k\u00f6nnen, um auf milde Art und Weise Qi- und Blut-Stagnationen auszuleiten, ohne das Yin zu verletzen. Dar\u00fcber hinaus st\u00e4rken sie das Milz-Qi und -Yang.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mich an dieser Stelle bei der Firma PADMA AG f\u00fcr das gro\u00dfz\u00fcgige Zurverf\u00fcgungstellen der Einzelpflanzen sowie der Mischungen f\u00fcr die organoleptischen Proben bedanken, welche ich pers\u00f6nlich vornehmen durfte. Mit Ausnahme von Aconiti tuberis pulvis wurden s\u00e4mtliche pflanzlichen und mineralischen Wirkstoffe von mir verkostet.<\/p>\n<p>[divider][\/divider]<\/p>\n<p><strong>Hier zum ersten Teil des Beitrags &gt;&gt;<\/strong><a href=\"https:\/\/www.naturmed.de\/blog\/allgemein\/eine-tibetische-rezeptur\/\">naturmed, Eine Rezeptur 1\/2<\/a><\/p>\n<p>[divider][\/divider]<\/p>\n<p><strong>Autor<\/strong><\/p>\n<p>Dr. med. Florian Ploberger, B.Ac., MA<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.florianploberger.com\">www.florianploberger.com<\/a><\/p>\n<p>[divider][\/divider]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Charakterisierung \u00a0der pflanzlichen Wirkstoffe PADMA 28 und PADMA CIRCOSAN aus Sicht der TCM Die in der TCM \u00fcbliche Vorgangsweise, Kaiserkr\u00e4uter, Ministerkr\u00e4uter, Polizeikr\u00e4uter sowie Botenkr\u00e4uter zu definieren, l\u00e4sst sich auf Arzneimittelmischungen der Tibetischen Medizin nicht direkt \u00fcbertragen, da die Mischungen der Tibetischen Medizin in der Regel aus einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl von Einzelkr\u00e4utern bestehen als klassische TCM-Rezepturen. 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