{"id":12613,"date":"2018-03-05T14:10:11","date_gmt":"2018-03-05T13:10:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.naturmed.de\/blog\/?p=12613"},"modified":"2025-08-24T16:55:22","modified_gmt":"2025-08-24T14:55:22","slug":"toxikologie-von-tcm-kraeutern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.naturmed.de\/blog\/tcm-akupunktur\/toxikologie-von-tcm-kraeutern\/","title":{"rendered":"Toxikologie von TCM-Kr\u00e4utern"},"content":{"rendered":"<h2>Der Begriff der Toxizit\u00e4t wurde und wird in der TCM anders eingesetzt, als dies nun in Europa \u00fcblich ist. Aus diesem Grund ist es vorteilhaft den Begriff Toxizit\u00e4t mit einem anderen Begriff, n\u00e4mlich Arzneimittelst\u00e4rke auszutauschen. Lesen Sie hier einen Beitrag von Dr. Florian Ploberger.<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12618 alignleft\" src=\"https:\/\/www.naturmed.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Toxizitaet.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/>Nat\u00fcrlich ist es so, dass jedes Arzneimittel, und damit jedes Arzneimittel der TCM, das eine Wirkung aufweist, auch unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen aufweisen kann. Eine St\u00e4rke der chinesischen Medizin liegt darin, diese unerw\u00fcnschten Nebenwirkungen zu neutralisieren, indem Kr\u00e4uter mit verschiedenen Geschm\u00e4ckern und verschiedenen thermischen Wirkungen innerhalb einer Rezeptur kombiniert werden.<\/p>\n<p>Die medizinischen Substanzen der TCM sind im Allgemeinen sicher und leicht anzuwenden.\u00a0Entsprechend einer klassischen Definition, die besagt, dass eine milde Medizin besser ist als eine stark wirksame; und dass hochwirksame Arznei nur bei kritischen und hochakuten Syndromen eingesetzt werden sollten, wurden alle mehr oder minder hochwirksamen Arzneien als \u201cleicht giftig\u201d, \u201cgiftig\u201d oder auch \u201cstark giftig\u201d bezeichnet.\u00a0Aus diesem Grund befinden sich in fast allen gebr\u00e4uchlichen Lehrb\u00fcchern, die sich mit dem Thema \u201echinesische Phytotherapie\u201c auseinandersetzen, Angaben \u00fcber die \u201eToxizit\u00e4t\u201c der jeweiligen Arzneien.<\/p>\n<p>Giftig bedeutet in diesem Zusammenhang nicht \u201ctoxisch\u201d wie in der westlichen Medizin, aber deckt sich nat\u00fcrlich im Falle einer als \u201cstark giftig\u201d bezeichneten Arznei wie z.B. Rx. Lateralis Aconiti Carmichaeli Praeparata (Fuzi) auch mit dem \u201ctoxischen\u201d Begriff der westlichen Medizin.\u00a0Da sowohl in China wie auch im Westen der Begriff \u201cgiftig\u201d sehr dehnbar ist, muss bei jenen Arzneimitteln, die nicht als \u201cungiftig\u201d angef\u00fchrt werden, nicht nur die Dosis, sondern auch die Konstitution, das Alter und K\u00f6rpergewicht des Patienten sowie die St\u00e4rke der Erkrankung in Betracht gezogen werden.<\/p>\n<p>Es empfiehlt sich, als \u201cgiftig\u201d oder \u201cstark giftig\u201d deklarierte Arzneien nach deutlicher Besserung der Symptome abzusetzen, um eine gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Sicherheit zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<h3>Die \u201eToxizit\u00e4t\u201c chinesischer Phytotherapeutika kann durch mehrere Methoden vermindert werden:<\/h3>\n<ol>\n<li>Verarbeitung der Arznei.<\/li>\n<li>Abkochen bzw. dekoktieren der Rohdroge. (Beispielsweise ist gekochter und als Arznei zubereitete Rx. Lateralis Aconiti Carmichaeli Praeparata (Fuzi) um das f\u00fcnf- bis zehntausendfache weniger giftig als die Droge in frischem Zustand).<\/li>\n<li>Kombination mit anderen Kr\u00e4utern.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass aus oben angef\u00fchrten Gr\u00fcnden der Begriff der Giftigkeit weit unter dem des Westens liegt und in therapeutischen Dosen Vergiftungen sehr selten auftreten.<\/p>\n<h3><strong>Verbotene Kombinationen, Kontraindikationen und <\/strong><strong>di\u00e4tetische Unvertr\u00e4glichkeiten<\/strong><\/h3>\n<p>Zus\u00e4tzlich zum dem Thema der Toxizit\u00e4t befassen sich klassische TCM-Texte mit Folgendem:<\/p>\n<ol>\n<li>verbotene Kombinationen<\/li>\n<li>Kontraindikationen w\u00e4hrend einer Schwangerschaft (siehe eigener Blog)<\/li>\n<li>di\u00e4tetische Unvertr\u00e4glichkeiten<\/li>\n<\/ol>\n<h4>zu 1. Verbotene Kombinationen<\/h4>\n<p>Es gibt Kombinationen von Kr\u00e4utern, vor deren Anwendung traditionell gewarnt wird, da es durch die Einnahme der Kombinationen dazu kommen kann, dass deren Wirkung herabsetzt wird oder es zu unerw\u00fcnschten Nebenwirkungen oder Vergiftungen kommen kann. Diese \u00dcberlieferung geht auf das Werk \u201eDer g\u00f6ttliche Hausmannsklassiker der Arzneimittellehre\u201c (Divine Husbandman&#8217;s Classic of the Materia Medica) zur\u00fcck. Im zehnten Jahrhundert schrieb Han Bao-Sheng in seiner Arzneimittellehre von Sichuan (\u201eMateria Medica of Sichuan\u201c, chinesischer Titel: \u201eShu Ben Cao\u201c), dass es in der klassischen Arzneimittellehre achtzehn F\u00e4lle gegenseitiger Unvertr\u00e4glichkeit gibt. Die Meinung dar\u00fcber, welche Substanzen nicht miteinander zu kombinieren sind, \u00e4nderte sich im Laufe der Zeit. Zwei Klassen verbotener Kombinationen blieben jedoch seit der Yuan-Dynastie (1279-1368 n. Chr.) anerkannt und werden im folgenden Abschnitt angef\u00fchrt. (Diese \u00dcberlieferungen wurden in Form von Liedern verbreitet.)<\/p>\n<p>Die erste dieser Kategorien sind die &#8222;neunzehn Feindseligkeiten&#8220; (shi jiu fan):<\/p>\n<ul>\n<li>Sulphur (Liuhuang) steht im Widerstreit zu Sal Glauberis (Poxiao).<\/li>\n<li>Hydrargyrum (Shuiyin) steht im Widerstreit zu Arsenicum (Pishuang).<\/li>\n<li>Rx. Euphorbiae Fischerianae (Langdu) steht im Widerstreit zu Lithargyrum (Mituoseng).<\/li>\n<li>Sm. Croton Tiglii (Badou) steht im Widerstreit zu Sm. Pharbitidis (Qianniuzi).<\/li>\n<li>Nitrum (Yaxiao) steht im Widerstreit zu Rz. Sparganii (Sanleng).<\/li>\n<li>Fl. Caryophylii (Dingxiang) steht im Widerstreit zu Tuber Curcumae (Yujin).<\/li>\n<li>Rx. Aconiti (Wutou) steht im Widerstreit zu Cornu Rhinoceri (Xijiao).<\/li>\n<li>Rx. Ginseng (Renshen) steht im Widerstreit zu Excrementum Trogopterori seu Pteromi (Wulingzhi).<\/li>\n<li>Cx. Cinnamomi Cassiae (Rougui) steht im Widerstreit mit Halloysitum Rubrum (Shishishi).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die zweite Kategorie sind die &#8222;achtzehn Unvertr\u00e4glichkeiten&#8220; (shi ba fan). Sie umfasst drei Gruppen von insgesamt achtzehn nicht zusammenpassenden Substanzen:<\/p>\n<h4>Rx. Glycyrrhizae Uralensis (Gancao) ist nicht kompatibel mit:<\/h4>\n<ul>\n<li>Rx. Euphorbiae Kansui (Gansui)<\/li>\n<li>Rx. Euphorbiae seu Knoxiae (Daji)<\/li>\n<li>Fl. Daphnes Genkwa (Yuanhua)<\/li>\n<li>Hb. Sargassii (Haizao)<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Rx. Aconiti (Wutou) ist nicht kompatibel mit:<\/h4>\n<ul>\n<li>Bulbus Fritillariae (Beimu)<\/li>\n<li>Fr. Trichosanthis (Gualou)<\/li>\n<li>Rz. Pinelliae Ternatae (Banxia)<\/li>\n<li>Rx. Ampelopsis (Bailian)<\/li>\n<li>Rz. Bletillae Striatae (Baiji)<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Rz. et Rx. Veratri (Lilu) ist nicht kompatibel mit:<\/h4>\n<ul>\n<li>Rx. Ginseng (Renshen)<\/li>\n<li>Rx. Adenophorae seu Glehniae (Sharen)<\/li>\n<li>Rx. Salviae Miltiorrhizae (Danshen)<\/li>\n<li>Rx. Sophorae Flavescentis (Kushen)<\/li>\n<li>Hb. cum Rx. Asari (Xixin)<\/li>\n<li>Rx. Paeoniae Lactiflorae (Baishao)<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Anmerkung:<\/strong><\/p>\n<p>Die Empfehlungen, die angef\u00fchrten Kr\u00e4uter nicht miteinander zu kombinieren, beruhen nicht auf moderner wissenschaftlicher Analyse, sondern auf einer im Laufe der Jahrhunderte gewonnenen Erfahrung. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, die Kr\u00e4uter bei dem Erstellen einer TCM-Rezeptur wie angegeben nicht zu kombinieren. Dies sollte schon aus Respekt und Demut gegen\u00fcber dem Wissen fr\u00fcherer TCM-\u00c4rzte geschehen.\u00a0An dieser Stelle sei angemerkt, dass einige der angef\u00fchrten Kr\u00e4uter aus Gr\u00fcnden des Artenschutzes, der Toxizit\u00e4t, etc. im deutschsprachigen Raum nicht erh\u00e4ltlich sind.<\/p>\n<h3>Di\u00e4tetische Unvertr\u00e4glichkeiten von TCM-Kr\u00e4utern<\/h3>\n<h4>Es gibt es mehrere Arten di\u00e4tetischer Unvertr\u00e4glichkeiten.<\/h4>\n<p>Erstere betrifft jene Nahrungsmittel, die laut traditioneller \u00dcberlieferung besonders von Patienten, die bestimmte medizinische Substanzen einnehmen, vermieden werden sollen.<\/p>\n<p>Beispielsweise sollten w\u00e4hrend einer Einnahme von Rx. Rehmanniae Glutinosae (Shengdihuang), Rx. Rehmanniae Glutinosae Conquitae (Shudihuang) und Rx. Polygoni Multiflori (Heshouwu) Zwiebeln, Knoblauch und Rettich gemieden werden. Wer Sclerotium Poriae Cocos (Fuling) einnimmt, sollte keinen Essig zu sich nehmen. Bei Gabe von Rx. Dichroae Febrifugae (Changshan) ist der Genuss von Zwiebeln abtr\u00e4glich. \u00c4hnlich wie bei den verbotenen Kombinationen gibt es auch hier unterschiedliche Meinungen, wie streng solche Verbote einzuhalten sind.<\/p>\n<h4>Andere Verbote sind allgemeiner Natur:<\/h4>\n<ul>\n<li>Ein Patient, der mit Kr\u00e4utern behandelt wird, sollte generell rohe, thermisch kalte, \u00f6lige oder sonstige schwer verdauliche Nahrung vermeiden. Diese Substanzen k\u00f6nnen das Verdauungssystem st\u00f6ren und die Wirksamkeit der Kr\u00e4uter beeintr\u00e4chtigen.<\/li>\n<li>Fiebernden Patienten wird in China traditionell empfohlen, den Genuss besonders fetter Speisen aller Art zu vermeiden.<\/li>\n<li>Menschen, die unter Hitzesymptomen leiden, sollten thermisch warme bzw. hei\u00dfe Nahrungsmittel nicht im \u00dcberma\u00df zu sich nehmen. Dazu z\u00e4hlen neben den meisten alkoholischen Getr\u00e4nken Gew\u00fcrze wie Pfeffer, Chili, Curry, Knoblauch, Zwiebel, Ingwer, etc. Viele Fleischsorten (beispielsweise Lammfleisch und Wild) sind ebenfalls thermisch warm.<\/li>\n<li>Anders verh\u00e4lt es sich bei Patienten, die unter K\u00e4ltesymptomen leiden. Diese sollten thermisch k\u00fchle und kalte Nahrungsmittel nicht im \u00dcberma\u00df zu sich nehmen. Dazu z\u00e4hlen Rohkost im Allgemeinen, speziell nat\u00fcrlich rohe Salate und S\u00fcdfr\u00fcchte, Yoghurt, Gr\u00fcner Tee, eisgek\u00fchlte Getr\u00e4nke, etc.<\/li>\n<li>Wer unter toxischer Hitze leidet, sollte auf die Einnahme von Schalen- und Krustentieren, Rotwein und geschwefelten Nahrungsmittel sowie auf Gefl\u00fcgel verzichten.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Literaturempfehlung f\u00fcr chinesische Phytotherapie:<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12614 alignleft\" src=\"https:\/\/www.naturmed.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/9783902735430_g.jpg\" alt=\"\" width=\"142\" height=\"200\" \/>Ploberger, F. (2015) <em>Chinesische Phytotherapie. Anleitung zur Erstellung einer TCM-Rezeptur<\/em><em>,<\/em> Schiedlberg, Bacopa.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&gt;&gt; hier gelangen Sie zum Buch von Dr. Ploberger, <a href=\"https:\/\/www.naturmed.de\/produkt\/chinesische-phytotherapie-ploberger-f\/?highlight=ploberger+phytotherapie\">Chinesische Phytotherapie<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff der Toxizit\u00e4t wurde und wird in der TCM anders eingesetzt, als dies nun in Europa \u00fcblich ist. Aus diesem Grund ist es vorteilhaft den Begriff Toxizit\u00e4t mit einem anderen Begriff, n\u00e4mlich Arzneimittelst\u00e4rke auszutauschen. Lesen Sie hier einen Beitrag von Dr. Florian Ploberger. 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