Das menschliche Gehirn ist ausgesprochen anpassungsfähig: Das ist in den allermeisten Fällen ein großer Vorteil, bei einem drohenden Hörverlust führt es hingegen zu maskierten Symptomen. Statistisch vergehen daher oftmals etwa sieben bis zehn Jahre, bis sich Betroffene nach schon längst aufgetretenen Symptomen professionelle Hilfe suchen. Auch eine psychologische Hürde und ein Stigma spielen dabei eine Rolle.
Akustische Signale werden nicht direkt leiser, sondern unschärfer
Traumata können zu einem plötzlichen und vollständigen Hörverlust führen. Sie sind aber die Ausnahme, bei den meisten Menschen stellt sich ein Hörverlust, auch altersbedingt, schleichend ein. Es kommt folglich nicht zu einem harten Bruch und plötzlichen Hörverlust, stattdessen machen sich lediglich hin und wieder im Alltag erste Symptome bemerkbar. Gespräche unter vier Augen in ruhiger Umgebung sind in der Anfangszeit typischerweise unproblematisch. Eine Cocktailparty oder Familienfeier hingegen, mit mehreren sprechenden Personen und Hintergrundgeräuschen, kann schon zur Herausforderung werden. Es ist nicht zwangsläufig die Lautstärke, die zu plötzlichen Problemen führt: Erste Anzeichen des Hörverlusts charakterisiert eher ein unscharfes Hörvermögen. Betroffene hören also durchaus, dass eine andere Person spricht, aber sie verstehen das Gesagte nur unscharf.
Das führt zu einem Verhaltensmuster, das HNO-Ärzte sehr gut kennen: Betroffene assoziieren die Unschärfe nicht mit ihrem eigenen potenziellen Hörverlust, sondern nehmen beispielsweise an, dass der Gegenüber lediglich nuschelt oder sich unklar ausdrückt. Um nicht ständig nachfragen zu müssen, was möglicherweise einem Eingeständnis gleichkäme, nicken Betroffene den Hörverlust in der Anfangszeit so einfach weg. Gerade frühzeitig zu handeln ist aber empfehlenswert, weil es die Lebensqualität steigert, aber auch das Gehirn schützt. Forscher bringen eine Altersschwerhörigkeit schon seit längerer Zeit in Verbindung mit einem erhöhten Demenzrisiko. Frühzeitig ein Hörgerät einzusetzen, kann also sogar das Gehirn schützen.
Weitere Symptome, die auf einen drohenden Hörverlust hindeuten könnten

Grundsätzlich gilt: Werden Probleme mit dem Hörvermögen bemerkt, sind diese ärztlich abzuklären. Das setzt jedoch voraus, dass die Probleme tatsächlich als solche identifiziert werden. Es gibt einige Anzeichen, auf die Betroffene in ihrem Alltag achten können, darunter zum Beispiel:
– wenn der Fernseher und/oder das Radio schrittweise immer lauter gestellt werden
– wenn einige Umgebungsgeräusche verschwinden, beispielsweise von einer tickenden Uhr oder dem eigentlich recht lauten Kühlschrank
– wenn die Natur weniger lebhaft wirkt, beispielsweise weil prasselnder Regen nicht mehr oder nicht länger intensiv wahrgenommen wird oder das Zwitschern der Vögel verschwindet
– wenn beim Telefonieren immer wieder ein bestimmtes Ohr bevorzugt wird, weil das Hören auf der anderen Seite spürbar schlechter funktioniert
Telefongespräche und das Radio sind oftmals eng mit ersten bemerkten Anzeichen eines Hörverlusts verbunden. Bei beiden fehlt das Lippenbild des Gegenübers, das menschliche Gehirn kann die Mundbewegungen also nicht als zusätzliche visuelle Hilfe heranziehen, sondern ist ausschließlich auf das Hörvermögen angewiesen. Unabhängig davon resultiert ein Hörverlust immer in einer kognitiven Erschöpfung: Fehlt es an eindeutigen Signalen der Ohren und des Hörvermögens, muss das Gehirn über den auditorischen Cortex die entstandenen Lücken füllen – das ist auf Dauer anstrengend und kann zu Kopfschmerzen sowie Konzentrationsstörungen führen.
Hörgeräte bringen die Lebensqualität zurück
Die Medizin erzielte zuletzt signifikante Fortschritte, beispielsweise mit Gentherapien gegen Hörverlust oder in Form von neuartigen Hörgeräten. Eine schlechte Hörqualität und Verständnisprobleme sind folglich nicht in Stein gemeißelt, sondern lassen sich behandeln und zielführend therapieren, auch wenn die Symptombehandlung nach wie vor dominiert. Sind die Symptome des Hörverlusts verschwunden, weil das Hörgerät fortan aktiv unterstützt, kehrt zugleich aber auch die Lebensqualität zurück.
Hochwertige Hörhilfen, wie beispielsweise Phonak Hörgeräte, arbeiten heute ganz anders als frühere Hörgeräte. Das Stigma, jedes Hörgerät wäre ein beigefarbener, pfeifender Kasten, ist also längst aus der Zeit gefallen. Heutige Hörgeräte sind kompakt und bringen ein Design mit, das eher einem Lifestyle-Gadget als einer medizinischen Apparatur ähnelt. Vor allem die technologischen Fortschritte verdienen sich eine gesonderte Erwähnung. Viele moderne Hörgeräte haben, je nach Modell, beispielsweise solche Funktionen:
– Kopplung über Bluetooth, um eine Direktverbindung zum Telefon, zu Musik und zum Fernsehen zu ermöglichen (je nach Gerät)
– automatische Situationserkennung, um das Hörgerät fortlaufend individuell anzupassen
– durch die Akkutechnologie müssen vielfach keine Batterien mehr ausgetauscht werden, stattdessen laden sich die Hörgeräte einfach über Nacht auf
– modernste Modelle können zudem künstliche Intelligenz nutzen, um die Hörqualität und das Verständnis weiter zu verbessern
Optisch hat sich ebenfalls viel getan. Es gibt sowohl „Im-Ohr-Geräte“ (kurz: IdO) als auch „Hinter-dem-Ohr-Geräte“ (kurz: HdO). Letztere sind aber erneut nicht mit alten Modellen vergleichbar. Sie wirken eher filigran und durchaus stylisch. Dadurch sehen sie auf den ersten Blick eher wie moderne Wireless-Kopfhörer als Hörgeräte aus. Die Im-Ohr-Geräte verschwinden hingegen einfach direkt nahezu unsichtbar im Gehörgang. Rein optisch muss also niemand mehr Hörgeräte fürchten, denn mit denen, die einmal der Opa oder die Oma vor vielen Jahrzehnten trugen, haben die heutigen Modelle nichts mehr gemeinsam.
Lieber nicht warten, sondern frühzeitig handeln – auch dem Gehirn zuliebe
Ein Hörverlust wird sich im Regelfall nicht von selbst auflösen, vor allem nicht, wenn er biologisch beziehungsweise altersbedingt ist. Gerade deshalb ist es wichtig, frühzeitig zu handeln. Wenn die akustischen Signale, die das Ohr an das Gehirn weiterleitet, über viele Jahre ausbleiben, verlernt das Gehirn diese zu verarbeiten. Die Nervenbahnen verkümmern, wodurch selbst mit einem Hörgerät das Verstehen anfänglich noch fordernd ist – Betroffene müssen ihr Gehirn dann neu schulen. Ebenfalls droht bei einem Hörverlust das Risiko einer sozialen Isolation. Das ist naheliegend, denn wer Gesprächen nicht mehr einwandfrei folgen kann und ständig das Gefühl hat nachfragen zu müssen, wird fortan fast schon automatisch Gespräche und soziale Interaktionen meiden.
Ein HNO-Arzt kann die medizinischen Ursachen abklären, zum Beispiel ob vielleicht „nur“ ein Pfropfen aus Ohrschmalz im Gehörgang steckt oder ob eine Entzündung vorliegt. Sofern das nicht zutrifft und ein Hörverlust diagnostiziert wurde, stellt der HNO-Arzt zugleich das Rezept für ein Hörsystem aus. Die Tests beim HNO-Arzt sind weder schmerzhaft noch langwierig, auch deshalb sollte man einen möglichen Hörverlust lieber frühzeitig abklären lassen.




