Asthma und chinesische Medizin

Asthma und chinesische Medizin

- in Allgemein, TCM / Akupunktur
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Die Chinesische Medizin als Behandlungsalternative zur Hyposensibilisierung bei asthmatischen Beschwerden aufgrund einer Hausstaubmilbenallergie bei einem 17 jährigen Mädchen

Ein Beitrag von Fr. Baur-Müller

Im folgenden Fall wird die erfolgreiche Behandlung eines 17 jährigen Mädchens mit Akupunktur und Westlichen Kräutern bei Asthma aufgrund einer Hausstaubmilbenallergie beschrieben. Alternativ wurde der Patientin vom Hausarzt eine Hyposensibilisierung vorgeschlagen.

Anamnese:

Die 17 jährige Patientin stellt sich in der Sprechstunde vor mit asthmatischen Beschwerden, die sie v.a. bei körperlicher Anstrengung (Eislauftraining) beeinträchtigen. Es besteht eine Hausstaubmilben Allerige, eine Besserung wird erreicht durch Kortison und Salbutamol. Empfohlen wurde ihr eine Hyposensibilisierung. Da die Mutter seit mehreren Jahren in der Praxis bekannt ist, möchten sie zuerst den Weg mit Chinesischer Medizin versuchen. Nach unauffälliger Schwangerschaft und komplikationsloser Geburt erkrankte das Mädchen im Alter von ½ Jahr an Grippe mit hohem Fieber für 2-4 Tage, im Alter von 2 Jahren hatte sie eine Krupp-Husten Attacke, mit 5 Jahren brach sie sich den rechten Mittelfußknochen, als sie daheim einen Eislaufsprung geübt hat. Weiterhin leidet sie unter pubertären Stimmungsschwankungen, Dysmenorrhoe, rez. Stirnkopfschmerz und rez. Lumbalgiev und verstärkter Schleimbildung im Hals mit Räuspern

Zungenbefund:

Der Zungenkörper ist rot und fest, v.a. an den Seiten, im Herzbereich rote Punkte und eine „Eindellung“

Pulsbefund:

insg. Feiner Puls, leerer Herzpuls, der Lungenpuls fühlt sich an, als wäre „eine Wand davor“, kein rechter Nieren-Puls

Diagnose:

-pathogner Restfaktor

-Leber-und Lungen-Qi-Stagnation

-Nieren-Yang-Schwäche

Verordnet wird folgende Rezeptur:

Fr.Anisi: Bewegt das Lungen-Qi, bewegt das Herz-Qi, bewegt das Qi im Uterus, tonisiert das Qi von Herz und Lunge, bewegt das Leber-Qi, tonisiert das Nieren-Yang
Herb.Violae tric.: Tonisiert das Qi im Urogenitalsystem, bewegt das Lungen-Qi, bewegt das Herz-Qi
Herb.Oregani: Bewegt das Lungen-Qi und senkt es ab, löst feuchten Schleim, wärmt den Uterus, bewegt das Leber-Qi
Rad.Valerianae: Bewegt das Herz-Qi, bewegt das Lungen-Qi, bewegt das Leber-Qi
Herb.Basilici: Löst kalten Schleim, tonisiert das Nieren-und Lungen-Yang, tonisiert das Lungen-Qi, bewegt das Leber-Qi, wärmt den Uterus
Herb.Hyssopi: Löst kalten Schleim, bewegt das Lungen-Qi, tonisiert das Nieren-Yang, tonisiert das Lungen-Qi und öffnet den Thorax
Fol.Rosmarini: Tonisiert das Nieren-Yang, löst kalten Schleim, tonisiert und bewegt das Leber-Qi, tonisiert Herz-und Lungen-Qi
Herb.Millefolii: Befreit von pathogenem Restfaktor, bewegt das Blut im Uterus, löst feuchten Schleim, bewegt das Leber-Qi
Flos.Matricariae: Bewegt das Leber-Qi, bewegt das Lungen-Qi
Flos.Lavandulae: Bewegt das Lungen-Qi v.a. bei feuchtem Schleim
Fol.Melissae: Bewegt das Lungen-Qi, bewegt das Leber-Qi
Herb.Betonicae: Bewegt das Lungen-Qi, löst feuchten Schleim in der Lunge, bewegt das Qi im Uterus, bewegt das Leber-Qi
Herb.Artemisiae vulg.: Reguliert den Uterus, tonisiert und bewegt das Leber-Qi, tonisiert das Nieren-Yang, löst pathogenen Restfaktor
Cort.Cinnamomi: Tonisiert das Nieren-Yang, reguliert das Uterus-Qi, wärmt den Uterus
Herb.Verbenae: Tonisiert und bewegt das Leber-Qi, bewegt das Qi bei Schwäche, bewegt das Lungen-Qi, bewegt das Qi im Uterus, aktiviert den 3 Erwärmer

Die Kräuter werden zu gleichen Teilen, ana partes, verordnet, fein vermahlen und in Kapseln abgefüllt, wovon die Patientin täglich 3 einnimmt. Weiterhin wird sie mit Akupunktur behandelt (9 Behandlungen in 7 Monaten). Nach der 7. Behandlung, nach 6 Monaten hat sie zum ersten Mal selbst das Gefühl, dass es deutlich besser ist und sie auch beim Training kein Spray mehr benötigt. Während der Behandlungszeit keine Lumbalgie und auch die Dysmenorrhoe verbessert sich. Bei der Wiedervorstellung zum Lungenfunktionstest zeigen sich sehr erfreuliche Ergebnisse, die Entzündungswerte sind um die Hälfte zurückgegangen, eine Behandlung mit Kortison ist nicht mehr notwendig, eine Hyposensibilisierung „steht nicht mehr im Raum“. Die Patientin sagt:“ Mama ist froh, dass wir diesen Weg gegangen sind. Die Behandlung war sehr erfolgreich, vielen Dank.“ Gerade bei jungen Menschen, v.a. auch in Übergangsphasen wie der Pubertät scheint es sehr sinnvoll, den Organismus mit den vergleichsweise doch recht sanften Methoden der Chinesischen Medizin zu stabilisieren, bzw. zu unterstützen, selbst wieder in einen harmonischen Zustand zu kommen, und einen Behandlungsversuch zu unternehmen, bevor man mit vergleichsweise invasiven Methoden arbeitet.

Literatur:

 

 

 

Baur-Müller B, Westliche Heilpflanzen in der Chinesischen Medizin. Springer 2016 Berlin Heidelberg

Holmes P, The Energetics of Western Herbs Vol 1&2. Snow Lotus Press 1989, Boulder, Colorado

Ploberger F, Das Große Buch der Westlichen Kräuter aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin. BACOPA 2011, Schiedlberg

Ross J. A Clinical Materia Medica. Greenfield Press &VGM 2010, Bad Kötzting

Birgit Baur-Müller

Birgit Baur-Müller, Jahrgang 1968, 2 Töchter 17 und 28 Jahre, Studium der Humanmedizin 1988 bis 1995 an der LMU München. Von 1996 bis 2003 ÄIP und Assistenzärztin in der Gynäkologie und Geburtshilfe. Seit 1996 Studium der Akupunktur und Chinesischen Medizin, zunächst bei der DÄGfA, A-Diplom für Akupunktur, anschließend bei F. Ramakers, J. Ross, G. Maciocia, B. Kirschbaum, H. Frühauf, G. Neeb, u.a. Seit 1998 niedergelassen in privater Praxis mit Schwerpunkt, neben der Akupunktur, Westliche Kräuter in der Chinesischen Medizin.