Wer heute besser schlafen möchte, hat die Wahl zwischen unzähligen Möglichkeiten. Doch was, wenn gerade diese Fülle zum Problem wird? Einer aktuellen Befragung zufolge erzeugen zu viele Optimierungsmaßnahmen für drei von vier Befragten mehr Stress als Erholung.
Sleepmaxxing: Wenn Schlafen zum Projekt wird
Hinter dem Schlagwort Sleepmaxxing steckt der Versuch, das Grundbedürfnis Schlaf mit ganz unterschiedlichen Methoden gezielt zu verbessern, von Smartwatches und Apps über Supplements bis zu Biohacking-Tipps aus dem Social-Media-Feed. Wie weit das verbreitet ist, zeigt die repräsentative Studie „Sleepmaxxing: Projekt Schlaf” von RAVENSBERGER Matratzen (n = 1.040, März 2026): Für 85 % der Befragten ist es wichtig, ihren Schlaf aktiv zu verbessern. 40 % stufen ihre aktuelle Schlafqualität als eher nicht gut ein.
Mehr als die Hälfte hat schon einmal Supplements wie Melatonin oder Magnesium ausprobiert. Schlaftees, Naturmittel, Atemübungen und Meditation haben ähnlich viele getestet. Sleepmaxxing ist damit längst im Alltag angekommen. Der Wunsch, etwas für die eigene Nachtruhe zu tun, ist gut nachvollziehbar. Die Studie zeigt allerdings auch eine Kehrseite.
Die Nachtruhe auf der To-do-Liste
Für 53 % der Befragten fühlt sich Schlaf manchmal wie etwas an, das erledigt werden muss. Wer ohnehin mit Schlafproblemen zu kämpfen hat, erlebt das deutlich häufiger: 73 % dieser Gruppe empfinden Schlaf immer wieder als Arbeit, bei den gut Schlafenden sind es 40 %. Die Erholungsphase wird so für viele zu einem weiteren Posten auf einer ohnehin langen Liste.

Nicht das Messen belastet, sondern die Masse an Regeln
Naheliegend wäre, die Ursache für den empfundenen Stress beim Schlaftracking zu suchen. Die Daten zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild: 63 % der Befragten, die ihren Schlaf aktiv tracken, empfinden das nur wenig oder gar nicht als Belastung. Lediglich 9 % fühlen sich dadurch wirklich unter Druck gesetzt.
Was dagegen quer durch alle Gruppen belastet, ob mit oder ohne Tracker, ist die schiere Menge an Möglichkeiten. 76 % der Befragten sagen, zu viele Optimierungsmaßnahmen erzeugten mehr Stress als Erholung. 68 % stimmen zu, dass es zu viele Regeln gibt, wie man angeblich richtig schlafen sollte. Einzelne Maßnahmen belasten also selten, die Summe der Regeln dafür umso mehr.

Worauf die Befragten selbst setzen
Bemerkenswert ist, was die Befragten selbst für den wirksamsten Hebel für guten Schlaf halten. Auf den Spitzenplätzen landen keine Apps oder Gadgets, sondern Gewohnheiten und Routinen (75 %) sowie eine passende Schlafunterlage (73 %). Neue Trends und Social-Media-Tipps nennen nur 4 %. Offenbar wissen viele recht genau, worauf es ankommt, und lassen sich im Alltag trotzdem von neuen Trends ablenken.
Weniger Hacks, mehr Regelmäßigkeit
Wie sich das einordnen lässt, erklärt Dr. med. Alexander Blau, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie mit Forschung in der Schlafmedizin von der Schlafakademie Berlin:
„Die Schlafregulation ist ein komplexer Prozess. Melatonin, Adenosin, Cortisol – sie folgen zirkadianen Rhythmen, die sich nicht durch einzelne Hacks überlisten lassen. Verschiedene Interventionen können sinnvoll sein – aber sie sind lediglich ein Werkzeug, keine Lösung. Was wir aus der Forschung wissen, wurde im Rahmen dieser Studie erneut bestätigt: Die grundlegenden Maßnahmen gewinnen, wenn es um guten Schlaf geht.“
Entspannung lässt sich schlussendlich nicht erzwingen. Sie entsteht eher durch Entlastung als durch zusätzliche Leistung. Im Alltag kann das heißen, bewusste Pausen einzuplanen, das Handy etwa eine halbe Stunde vor dem Schlafen beiseitezulegen und die Schlafenszeiten möglichst auch am Wochenende beizubehalten.
Wie sich Ruhe im Alltag fördern lässt, etwa durch Bewegung, Atmung oder kleine Rituale, beschreibt auch der Beitrag: „Natürliche Wege der Entspannung in einer hektischen Welt“.
Gelassenheit als Ziel
Die Ergebnisse der Studie legen nahe: Der Schlüssel liegt nicht darin, mehr zu tun, sondern das Richtige. Tracker, Apps und Supplements können eine Ergänzung sein, ersetzen aber nicht das Fundament aus Routine und einer angenehmen Schlafumgebung. Blau nennt zugleich eine Grenze: Stören Beschwerden wie Atemaussetzer oder unruhige Beine den Schlaf, reichen Routinen allein nicht aus. Dann sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
Am Ende zählt damit weniger die perfekt geplante Nacht als ein bewusster, entspannter Umgang mit dem Schlaf.




