Rezepturen aus westlichen Kräutern, Diurese anregen und Feuchtigkeit ausleiten

Rezepturen aus westlichen Kräutern, Diurese anregen und Feuchtigkeit ausleiten

Ein Beitrag über die Behandlung von urologischen Beschwerden von Dr. Florian Ploberger

Ackerschachtelhalm ist ein wichtiger Bestandteil der westlichen Rezeptur.

Im folgenden Artikel werden zwei Rezepturen, die die Diurese anregen und Feuchtigkeit ausleiten, vorgestellt. Diese Rezepturen sind immer dann indiziert, wenn Feuchtigkeit zu einer Stagnation Anlass gibt und es dadurch zu einer Beeinträchtigung der Diurese (des Harnflusses) kommt. Daher muss der Harnfluss angeregt werden.

Sie sind bei folgenden Symptomen indiziert:

  • Ödeme (Wasseransammlungen);
  • Flüssigkeits-Stagnation im Bereich des Urogenitaltraktes,
  • Schmerzen im Bereich des Urogenitaltraktes,
  • Diarrhoe (Durchfall).

Rezeptur 1

  • Folium Uvae ursi Bärentraube 3 g Kaiserkraut
  • Herba Equiseti Ackerschachtelhalm 7 g Ministerkraut
  • Herba Absinthii Wermut 1 g Ministerkraut
  • Radix Angelicae archangelicae Engelwurz 4 g Polizeikraut
  • Fructus Juniperi Wacholderbeeren 3 g Polizeikraut
  • Fructus Foeniculi Fenchelsamen 2 g Polizeikraut
  • Ramulus Cinnamomi Zimtzweige 4 g Polizeikraut und Botschaftskraut

 Wirkung:

  • Regt die Diurese (Harnfluss) an
  • Trocknet Feuchtigkeit
  • Tonisiert das Milz-Qi
  • Wärmt das Yang
  • Unterstützt die umwandelnde Funktion des Qi

Indikation:

Kopfschmerzen, Fieber, Reizbarkeit, großer Durst, jedoch mit Brechreiz nach der Flüssigkeitsaufnahme, Schwierigkeiten beim Urinieren, Ödeme (Wasseransammlungen), Vertigo (Drehschwindel), Schweregefühl des Körpers, Dyspnoe (Kurzatmigkeit) und Diarrhoe (Durchfall).

Entsprechende westliche Krankheitsbilder:

Chronische Nephritis (Entzündung der Nieren), chronische Niereninsuffizienz (Nierenversagen), Herzinsuffizienz (Schwäche des Herzmuskels), Ascitis (Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum) bei einer Leberzirrhose, infektiöse Hepatitis (Leberentzündung), Morbus Meniere (eine Kombination aus Drehschwindel, Hörsturz, Ohrensausen), Gastroenteritis (Entzündung des Magen-Darmtraktes), chronische Gastritis (Entzündung der Magenschleimhaut) sowie Gastroptose (Magensenkung).

Zunge: blasser Zungenkörper mit weißem Zungenbelag.

Puls: oberflächlich (fu).

Beschreibung der Rezeptur aus westlichen Kräutern:

Als Kaiserkraut dieser Rezeptur dienen Bärentraubenblätter (Folium Uvae ursi). Diese sind thermisch kühl und leiten Hitze bzw. Feuchte Hitze aus dem Bereich des Unteren Erwärmers aus. In ihrer Diurese (Harnfluss) anregenden Wirkung werden Bärentraubenblätter (Folium Uvae ursi) durch die Ministerkräuter Ackerschachtelhalm (Herba Equiseti) sowie Wermut (Herba Absinthii) unterstützt.

Ackerschachtelhalm (Herba Equiseti) ist ebenfalls thermisch kühl und wirkt diuretisch, wenn er längere Zeit (länger als 2 – 3 Minuten) gekocht wird. Wermut (Herba Absinthii) ist ein bitteres, thermisch warmes Kraut. Die Kombination der beiden Kräuter wird eher selten verwendet. Sie eignet sich jedoch hervorragend, um das Nieren-Yang zu tonisieren und somit Feuchte Kälte auszuleiten. Zusätzlich kann durch Wermut (Herba Absinthii) das Milz-Qi tonisiert und Leber-Qi-Stagnationen entgegengewirkt werden.

Angelikawurzel (Rdx. Angelicae archangelicae) ist ein scharfes, leicht bitteres, süßes, thermisch warmes Polizeikraut. Dieses tonisiert das Milz-Qi und -Yang, wirkt karminativ und kann Feuchte Kälte ausleiten. Zusätzlich löst es Qi-Stagnationen im Bereich des Mittleren Erwärmers auf. Die der Rezeptur hinzugefügten Wacholderbeeren (Fructus Juniperi) sind vom Geschmack her leicht bitter, scharf und süß; thermisch warm. Sie tonisieren als Polizeikraut das Nieren- und Milz-Yang und wirken auf eine milde Art und Weise diuretisch. Die Milz hat laut TCM-Literatur eine Aversion gegen Feuchtigkeit. Aus diesem Grund sollte die Milz tonisiert werden, um Feuchtigkeit auszuleiten. Dazu befinden sich die Polizeikräuter Fenchelsamen (Fructus Feoniculi) und Zimtzweige (Ramulus Cinnamomi) in dieser Rezeptur. Wenn Feuchtigkeit die Zirkulation der Körperflüssigkeiten beeinträchtigt, kann es dazu kommen, dass die Nieren- bzw. Blasenfunktion beeinträchtigt werden. In diesem Fall tonisieren Fenchelsamen (Fructus Foeniculi) und Zimtzweige (Ramulus Cinnamomi) das so genannte „Nieren-Feuer“. Damit unterstützen sie auch die Blase in ihrer Umwandlungs- und Harn ausleitenden Funktion. Andererseits tonisieren Fenchelsamen (Fructus Foeniculi) und Zimtzweige (Ramulus Cinnamomi) auch das Milz-Qi. Dadurch wird der Harnfluss auf verschiedene Arten angeregt. Einerseits enthält die Rezeptur bittere Kräuter, die den Harnfluss anregen; dazu zählen Bärentraubenblätter (Folium Uvae ursi). Andererseits befinden sich Milz-Qi tonisierende Kräuter in der Rezeptur, die dazu beitragen, dass Feuchtigkeit in kostbare Säfte (Jinye) umgewandelt wird; dazu gehören beispielsweise Engelwurz (Rdx. Angelicae archangelicae), Wacholderbeeren (Fructus Juniperi) sowie Fenchelsamen (Fructus Foeniculi). Zusätzlich befinden sich scharfe, thermisch warme Kräuter in der Rezeptur. Neben den Fenchelsamen (Fructus Foeniculi) beispielsweise Zimtzweige (Ramulus Cinnamomi). Diese wärmen, setzen das Yang frei und regen als Botschaftskraut die Diurese (den Harnfluss) an.

Rezeptur 2

  • Folium Uvae ursi Bärentraube 2 g  Kaiserkraut und Botschaftskraut
  • Cortex Rhizoma Zingiberis frischer Ingwer 4 g Ministerkraut
  • Pericarpium Citri ret. Mandarinenschalen 7 g Polizeikraut
  • Fructus Zypressi Zypresse 3 g Ministerkraut
  • Folium Rosmarini Rosmarin 2 g Ministerkraut
  • Semen et Cortex Hippocastani Rosskastanie 3 g Ministerkraut
  • Herba Absinthii Wermut 1 g Ministerkraut
  • Wirkung:
  • Trocknet Feuchtigkeit
  • Reduziert Ödeme (Wasseransammlungen)
  • Tonisiert das Milz-Qi
  • Wirkt regulierend

Indikation:

Generelle Ödeme (Wasseransammlungen), Schweregefühl des Körpers, Schweregefühl und Schmerzen im Bauchbereich, Dyspnoe (Kurzatmigkeit) sowie Schwierigkeiten beim Urinieren.

Entsprechende westliche Krankheitsbilder:

  • Schwangerschafts-Ödeme (Wasseransammlungen), Ödeme (Wasseransammlungen) bei einem Protein (Eiweiß)-Mangel, Ascitis (Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum) bei einer Leberzirrhose, Herzinsuffizienz (Schwäche des Herzmuskels) mit Lungenödemen, Urticaria (Nesselsucht) sowie chronische Glomerulonephritis (Entzündung des Nierengewebes).
  • Zunge: feuchter, zäher Zungenbelag.
  • Puls: tief (chen) oder verborgen (fu).

Beschreibung der Rezeptur aus westlichen Kräutern:

Diese Rezeptur aus westlichen Kräutern trocknet Feuchtigkeit, reduziert Ödeme und tonisiert das Milz-Qi. Diese Wirkung wird durch verschiedene Mechanismen erzielt:

Bärentraubenblätter (Folium Uvae ursi), wirken als Kaiser- und Botschaftskraut, das Feuchtigkeit aus dem Bereich der Blase ausleitet. Die Dosierung ist absichtlich niedrig gewählt, da das Qi des Patienten ansonsten verletzt werden würde.

Die Kombination des Ministerkrautes frischer Ingwer (Rhz. Zingiberis) mit dem Polizeikraut Mandarinenschalen (Pericarpium Citri ret.) tonisiert das Milz-Qi und regt damit die Umwandlung der Feuchtigkeit in Körpersäfte (Jinye) an. Zusätzlich wirken Mandarinenschalten (Pericarpium Citri ret.) einer Qi-Stagnation entgegen. Alle weiteren Kräuter dienen in dieser Rezeptur als Ministerkräuter: Die hinzugefügte Zypresse (Fructus Zypressi) wirkt Feuchter-Kälte entgegen und bewegt Qi und Blut. Diese Wirkung wird speziell im Bereich der Lunge erzielt. Rosskastanien (Semen et Cortex Hippocastani) sind bitter, adstringierend, scharf, thermisch kühl. Um Feuchtigkeit auszuleiten, werden die Schalen der Rosskastanie (Cortex Hippocastani) verwendet. Der leicht bittere, scharfe, thermisch warme Rosmarin (Folium Rosmarini) unterstützt die Feuchtigkeit ausleitende Wirkung, indem er das Nieren-Yang tonisiert und Qi-Stagnationen im Bereich des Mittleren Erwärmers entgegenwirkt. Wermut (Herba Absinthii), das bittere, leicht scharfe, thermisch warme Kraut, löst Qi-Stagnationen auf und tonisiert das Nieren-Yang. Dadurch regt es die Diurese (den Harnfluss) auf sehr effiziente Art und Weise an.

Literaturempfehlungen

Ploberger, F. (2015) Das große Buch der westlichen Kräuter aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin, 3., erweiterte Auflage, Schiedlberg: Bacopa. >> hier gehts zum Buch

Ploberger, F. (2016) Westliche Kräuter aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin, 9. überarbeitete Auflage, Schiedlberg: Bacopa.

Ploberger, F. (2017) Westliche und traditionell chinesische Heilkräuter, Schiedlberg: Bacopa.

Dr. Florian Ploberger

Dr. med. Florian Ploberger, B.Ac., MA, TCM-Arzt, Tibetologe, Fachbuchautor. Internationale universitäre und interdisziplinäre Lehrtätigkeit und zahlreiche Publikationen in den Themenbereichen Tibetische Medizin und TCM. Präsident der Österreichischen Ausbildungsgesellschaft für Traditionelle Chinesische Medizin (ÖAGTCM). Mehrere Bücher veröffentlicht. (Schwerpunkte: Westliche Kräuter aus Sicht der TCM sowie Tibetische Medizin). Von der Direktion des Men-Tsee-Khang (Institut für Tibetische Medizin und Astrologie in Dharamsala, Nordindien) mit der Übersetzung der ersten beiden und des letzten Teils des bedeutendsten Werkes der Tibetischen Medizin (rgyud bzhi) beauftragt. Weitere Informationen finden Sie unter www.florianploberger.com

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