Coronaviren mit Chinesischer Medizin behandeln (COVID-19)

Coronaviren mit Chinesischer Medizin behandeln (COVID-19)

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Beitrag von Prof. Dr. Gunter Neeb für alle Therapeuten mit Coronavirus-Patienten

“Wenn im Inneren das korrekte Qi (hier: Immunabwehr) herrscht, dann kann die Krankheit nichts anrichten.“

Huang Di Nei Jing, Su Wen 正氣存內,邪不可干 《素问遗篇·刺法论》

Zhang Boli, an academician of the Chinese Academy of Engineering, speaks during an interview with Xinhua about the effect of integrated treatment with traditional Chinese medicine (TCM) and Western medicine at Jiangxia temporary hospital in Wuhan, capital city of central China´s Hubei Province, Fe. 14, 2020 (Xinhua/Cheng Min).

Wie die Erfahrungen mit dem SARS-Virus heute helfen können

Ende des Jahres 2002 wurde in Kanton/China eine Infektion beobachtet, die unter dem Namen SARS (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) einem zunächst unbekannten Virus zugeordnet wurde. Mein Chinesischer Doktorvater (damals noch im Forschungsinstitut für Chinesische Medizin Tianjin) und seine Kollegen empfahlen allen Ärzten mit SARS-Patienten, aufgrund des Syndrom-Musters eine Variation des „Yin Qiao San“-Formel einzunehmen. Mein Schwager war unter diesen Ärzten – und war froh, dass man aufgrund der Syndromdifferenzierung gegen den Erreger eine wirksame Prophylaxe zur Verfügung hatte, bevor überhaupt bekannt war, daß es sich um einen Coronavirus-Familie handelte.

Fledermäuse als Erreger?

Dadurch waren 2003 die Hauptarzneien der Formel Jin Yin Hua und Lian Qiao (Forsythia und Lonicera) in China praktisch ausverkauft, da sie die Hauptarzneien einer Formel gegen fiebrige virale Infekte sind, die 1798 veröffentlicht wurde. Als Erregerreservoir für Coronaviren vermutet man die Hufeisennasen-Fledermäuse (Rhinopholus sinicus), die übrigens nichts mit den Flughörnchen (Trogopterus xanthipes) und deren Ausscheidungen (Wu Ling Zhi) der TCM zu tun haben.1

Aber auch afrikanische Fledermäuse (Neoromicia cf. Zuluensis)2 übertrugen die ebenfalls durch Coronaviren verursachte MERS-Infektion 2014 (Middle East respiratory syndrome), ebenso wie unsere heimischen Fledermäuse, die hier streng unter Naturschutz stehen, oft Coronaviren aufweisen.3 Besteht also eine Gefahr auch von deutschen Fledermäusen infiziert zu werden?

Coronaviren gab es schon früher bei uns

Tatsache ist, Coronarviren zirkulieren regelmäßig bei uns im Winter und verursachen gewöhnlich eher milde Atemwegsinfekte, wie ein die Fachzeitschrift „Science“ zu berichten weiß.4 Dort wird auch von Experten vermutet, daß die geschätzte Mortalitätsrate von 2,3% der gemeldeten Fälle überschätzt wurde, weil die meisten Fälle aufgrund der geringen Symptome unentdeckt verlaufen.

Kleine Kinder selten infiziert

Während nämlich Kinder unter neun Jahren offenbar kaum befallen werden, sind eher Menschen über dem 80. Lebensjahr und geschwächte Patienten mit Herz- oder Lungenerkrankungen dafür prädestiniert, unter einem schweren Verlauf zu leiden.

Was kann man als TCM-Therapeut tun? Welche chinesischen Arzneimittel helfen bei Coronaviren?

Nicht so meine eigenen betagten Patienten, da ich jedes Jahr zu Beginn der Infektsaison prophylaktisch immunstärkende Arzneien wie z.B. den im Yu Ping Feng San vorkommenden Huang Qi (Astragalus) oder ähnliche Milz-Qi-Arzneien verschreibe. Auch Chuan Xin Lian (Andrographitis)5 ist nachweislich ein sehr geeignetes Arzneimittel, um das Immunsystem zu steigern und bei viralen Erkältungkrankheiten daher sehr effektiv, weshalb ich es auch in meiner Fertigarznei „Ent-Kältung“6 verwende, welches sich viele meiner Patienten für ihre betagten Angehörigen besorgen, um sie vor den Infekten zu schützen.

Mein Lehrer und Doktorvater Zhang Boli, mittlerweile der nationale Experte Chinas7, ist zur Coronavirus-Epidemie nach Wuhan gereist, um dort mit traditioneller chinesischer Arznei bei der Bekämpfung der Epidemie beizutragen, wie er mir per Mail mitteilte.

Die beste Lösung gegen Coronavirus: Schulmedizin + chinesische Kräuter

Neunzig Prozent aller Patienten in Wuhan bekommen also das Beste aus beiden Welten zur Behandlung. Während der erste der vier Ärzte, Dr. Li Wenliang im Wuhan-Krankenhaus zur Behandlung mit Antibiotika, Cortison und fiebersenkende Arzneien erhielt und nach seinem Tod eine von Schleim verklebte Lunge aufwies, wurden danach seine drei Kollegen sowohl mit TCM als auch Schulmedizin behandelt. Zwei sind inzwischen vollständig genesen, und beim Dritten besteht schon starke Besserung.Auch die Bevölkerung kombiniert diese beiden Ansätze. Daher werden die beiden „Schlager“ beim SARS-Ausbruch , Jin Yin Hua und Lian Qiao vermutlich auch dieses Jahr wieder einen Engpass beim Verkauf in Europa erleben, da viele Haushalte in China den Markt dort geleert haben werden.

Haben unsere Patienten also das Nachsehen?

Keineswegs, denn es gibt viele alternative Arzneien wie ich sie in meinen Infektiologie- und Shang Han Lun-Vorlesungen vorgestellt habe, die alle ebenfalls immunologisch wirksam sind: Ob Immunglobuline stimulierend wie Yin Yang Huo (Epimedium), Phagozytose fördernd wie Bu Gu Zhi (Psoralea), T-Lymphozyten-steigernd wie Nü Zhen Zi (Ligustri), Interleukin-II steigernd wie Bai hua She She Cao (Oldenlandia), allgemeine Antikörperproduktion anregend wie Sheng Di Huang (Rehmannia), oder Interferonproduktion steigernd wie Bai Bian Dou (Lablab) oder Huang Qi (Astragalus); und auch bei bakteriellen Infekten Leukozytenbildung fördernde Arzneien wie Rou Gui (Cinnamomum) nachzuschlagen, ist keine Hexerei.

Diese zur Prophylaxe geeigneten Arzneien, können aber – bei zu hoher oder zu langer Anwendung – ebenfalls zu Problemen führen, wie beispielsweise das kalte, bittere Chuan Xin Lian (Andrographis) zu Durchfall führen kann, wenn es die Milz verletzt; Huang Qi kann durch seine unverdauliche Stärke beim Fehlen der bestimmter Anteile der Darmflora zu Blähungen führen und andere Nebenwirkungen. Daher stimme ich mit der Aussage meines Lehrers überein: Eine präzise Diagnose nach der Chinesischen Medizin mit maßgeschneiderter Syndromdifferenzierung ist viel effektiver als „der Anzug von der Stange“, wie die pauschale Einnahme der jeweiligen Einzelarzneien.

Fazit: Es ergeht uns auch in Europa bei der Coronavirus-Epidemie 2020 wie unseren Kollegen in China 2003:

Wenngleich ein Impfstoff noch weit weg ist – wer die Krankheitsmuster zu erkennen weiß – kann mit der TCM bereits den Menschen helfen, bevor sie im Krankenhaus symptomatische Hilfe unserer Kollegen dort erfahren. Altes Erfahrungswissen mit moderner Forschung: Das Beste aus beiden Welten ist auch auf der ganzen Welt das Beste.

 

Gunter Neeb, Februar 2020

Gunter Neeb

Prof. Dr. med.sin. (China) Gunter Ralf Neeb, besitzt umfangreichen Kenntnisse der Mikrobiologie. Er studierte an der Hochschule für Chinesische Medizin der Provinz Yunnan und später an der Internationalen Hochschule für TCM Tianjin. 1998 schloss er das Studium als erster Nicht-Asiate mit einem Magistergrad in Chinesischer Innerer Medizin ab. 2001 beendete er seinen 12-jährigen Studienaufenthalt in China und kehrte als erster Nicht-Chinese mit einem Doktorgrad der Chinesischen Medizin nach Deutschland zurück. 1998 wurde er als Dozent in den Universitätslehrkörper aufgenommen. Heute ist er Doktor der chinesischen Medizin auf drei Kontinenten und als bekannter Lehrer und Dozent tätig.