Herpes Zoster Erkrankung – Fallbesprechung mit Dr. Baur-Müller

Herpes Zoster Erkrankung – Fallbesprechung mit Dr. Baur-Müller

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Komplizierte Herpes Zoster Erkrankung bei vorbestehender Rheumatoider Arthritis (Latenzphase), chronischer Cystitis und chronischer Sinusitis

Beitrag über Herpes Zoster von Birgit Baur-Müller

Die 64 jährige Patientin stellt sich in der Praxis mit einer akuten Herpes Zoster Infektion vor. Die Hauterscheinung befindet sich entlang des Milz-Magen-Meridians am linken Oberschenkel, ausgedehnt von Hüfte bis zum Knie. Von Anfang an bestehen auch starke Schmerzen.

Diagnose (gemäß Zunge und Puls)

Die Diagnose brachte eine MilzQi-und NierenYang-Schwäche, Schleim im Magen und Magen-Meridian, Schleim-Kälte-Stagnation im Blasen-und Gallenblasen-Meridian, LeberQi-Stagnation hervor.

Rezeptur bei Herpes Zoster

Rad.Helenii, Inula helenium, Alan Dieses Mittel tonisiert MilzQi-und Yang. Es tonisiert den Magen, das Qi im Allgemeinen, lindert Bi-Syndrom bei Kälte-Wind-Feuchtigkeit, bewegt das Qi in Leber und Gallenblase, löst Feuchtigkeit und Kälte im unteren Erwärmen und bewegt das NierenQi.
Herb.Artemisiae vulg., Artemisia vulgaris, Beifuß Dieses Arzneimittel tionisiert das NierenYang, wärmt die Meridiane, tonisiert die Milz, bewegt und tonisiert das LeberQi, klärt pathogenen Restfaktor und klärt Toxine.
Cort.Cinnamomi, Cinnamomum verum, Zimt Zimt wärmt und tonisiert das NierenYang, reguliert das Qi von Milz und Magen, klärt Wind-Kälte, bewegt Qi und Blut.
Fol.Melissae, Melissa officinalis, Melisse Antiviral, analgetisch, tonisiert das MilzQi, beruhigt das Nervensystem, bewegt das Qi in Magen und Niere, tonisiert die NierenEssenz
Rad.Angelicae arch., Angelica archangelica, Engelwurz Klärt Wind-Kälte und Feuchtigkeit, wärmt und tonisiert die Milz, transformiert Feuchitgkeit und Schleim, wärmt den Magen, lindert Bi-Syndrom bei Wind-Feuchtigkeit-Kälte
Rhiz.Zingiberis, Zingiber officinalis, Ingwer Klärt Wind-Kälte und Feuchtigkeit in den Meridianen, tonisiert das MilzYang, lindert virale Infekte
Rad.Bardanae, Arctium lappa, große Klette Klärt Wind und pathogenen Restfaktor, unterstütz die Niere und Blase bei der Ausleitung von Feuchtigkeit, mikrobiell Toxicose mit Feuchtigkeit, leitet Feuchtigkeit aus der Haut, tonisiert das Nieren-Magen- und GallenblasenQi, fördert Geweberegeneration
Rad.Taraxaci, Taraxacum officinalis, Löwenzahn Tonisiert und bewegt das Qi von Magen, Leber, Blase und Gallenblase, klärt pathogenen Restfaktor, mikrobielle Toxicose, bewegt die Flüssigkeiten in Leber und Niere, leitet Feuchtigkeit aus der Haut, lindert chroische Ekzeme bei Herpes
Herb.Urticae, Urtica dioica, Brennnessel Klärt pathogenen Restfaktor, klärt Feuchtigkeit und Schleim, tonisiert das Blut, tonisiert das LeberYin, bewegt das NierenQi, bewegt Flüssigkeiten in Leber und Niere
Herb.Verbenae, Verbena officinalis, Eisenkraut Tonisiert das Qi im Allgemeinen, tonisiert und bewegt das LeberQi, lindert Schmerz bei Neuralgien, bewegt das NierenQi, tonisiert die NierenEssenz
Herb.Thujae, Thuja occidentalis, Thuja Tonisiert das WeiQi, klärt pathogenen Restfaktor, klärt Feuchtigkeit und Schleim, tonisiert das NierenQi, antiviral (Herpes), lindert chronische Ekzeme
Herb.Thymi, Thymus vulgaris, Thymian Klärt pathogenen Restfaktor, transformiert Schleim, tonisiert und reguliert das MilzQi, tonisiert das NierenYang, tonisiert das Qi im Allgemeinen, stärkt Gehirn und Nerven, lindert virale Infekte, microbielle Toxicose, schmerzlindernd
Herb.Millefolii, Achillea millefolium, Schafgarbe Klärt pathogenen Restfaktor, tonisiert das WeiQi, tonisiert das Qi von Milz und Herz, tonisiert das Blut, tonisiert und bewegt das NierenQi, bewegt das Qi in Magen, Leber und Gallenblase
Herb.Glechomae, Glechoma hederacea, Gundermann Klärt Schleim, tonisiert das LungenQi, klärt Feuchtigkeit im unteren ERwärmer
Rad.Valerianae, Valeriana officinalis, Baldrian Bewegt und beruhigt das HerzQi bei nervalem Exzess, lindert Schmerz, bewegt das NierenQi, tonisiert das NierenYin, tonisiert das MilzQi

Verlauf

Die Patientin wurde auch mit Akupunktur behandelt. Am Anfang entwickelte sich eine schwere post Herpes Zoster Neuralgie. Die Erkrankung traf die Patientin (wie meist bei Herpes Zoster) in einer schweren Leersituation. Deshalb sind in der Rezeptur neben den attackierenden, Schleim lösenden Kräutern viele tonisierende Pflanzen. Der Schmerz war so stark, dass sie mit Novalgin und Lyrics behandelt wurde. Schließlich nach 2 Monaten Behandlung mit Kräutern und Akupunktur fühlte sie sich stark und stabil genug, um auf eine 4 wöchige USA Reise zu fahren. Anschließend ist der Schmerz, die Par-und Dysästhesie im Nervensegment völlig verschwunden. Die Lyrica-Einnahme konnte ausgeschlichen werden. Insgesamt verbleibt nur ein kleiner Bereich, wo sich die Haut noch taub anfühlt.

Literatur zum Thema Herpes Zoster:

Holmes, P.: The energetic of western herbs. Vol 1&2, Snow lotus press Boulder, Colorado, U.S.A. 1998

Ross, J.: A Clinical Materia Medica. Greenfield Press und VGM, Bad Kötzting 2010

Ploberger, F.: Das große Buch der westlichen Kräuter aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin. BACOPA Verlag Schiedlberg, Austria 2011

HerpesXuan Guo-wei/ Fan Rui-qiang, Herpes Zoster and Fungal Skin Infections CPCM

Exkurs:

Hier noch ein Heilpflanzenportrait von Fr. Dr. Baur-Müller, das gut zu diesem Fall über die Herpes Zoster passt, da die Pflanze hier für die Therapie entscheidend ist.

Die große Klette – Arctium lappa

Lat.Arctium Lapp, engl.: Great Burdock, chin.: Niubangzi, verwendet wird v.a. die Wurzel, Rad. Bardanae, in der chinesischen Medizin v.a. die Samen.

Betrachtet man die große Klette im Hinblick auf die Signaturenlehre, erscheint als großes Thema das Aufräumen. Die Blütenköpfe sehen aus wie Drahtbürsten, die sogar in die dunkelsten, staubigsten, klebrigsten Ecken vordringen. Gerade diese Eigenschaft hilft uns bei z.B. komplizierten parasitären Erkrankungen wie der Borreliose, chronischen Herpesvirusinfektionen (HSV,CMV,EBV, im vorgehenden Patientenfall Varizella zoster Virus VZV) oder den Papillomaviren (HPV 16,18) therapeutisch anzusetzen.

Diese Erreger sind in der Lage, einen „Biofilm“ zu bilden, womit sie sich tarnen, eine „Isolierung“, durch die die körpereigene Abwehr nicht durchdringen kann. Ich denke, die große Klette ist hier eine der Basispflanzen in der Therapie, aber mal sehen, was sie sonst noch so drauf hat…

Hintergrundinfos zur Klette

Der lateinische Name Actium kommt von Arztes = die Bärin. Wer diese stattliche Pflanze in ihrer vollen Schönheit erlebt hat, weiß, wie passend dieser Name ist. Sie ist tatsächlich von Bärengröße und Ausmaß! Neben der Zugehörigkeit zu den Bärenpflanzen, deren Eigenschaften als etwas grob aber von starker Vitalität beschrieben werden, ordneten unsere germanischen Vorfahren sie auch in die Kategorie der Wolfspflanzen ein.

Eigenschaften der Klette

Der Wolf gilt im Märchen als Inbegriff der dunklen Mächte, diese Pflanzen sind also stets auch von Dunkelheit umgeben. In der Astrologie ist die Klette dem Einfluss von Saturn und Pluto unterstellt, beides Planeten, die die dunklen Kräfte regieren.

Die Klette meistert diese Kräfte, transformiert sie in Vitalität und Schönheit, sie bildet zarte rosa (Herz) Blüten. Das ist eine wunderbare Metapher für die Kraft und Möglichkeit zur Transformation. Denn einige der Erkrankungen, bei denen die Klette eingesetzt werden kann, haben viel zu tun mit sehr üblen, bisweilen sogar „dämonischen“ Kräften. Hier sehen wir ein Beispiel, diese Kräfte (in uns) zu meistern, zu transformieren, Kraft und Vitalität zu gewinnen und sie in etwas wunderbares umzuwandeln.

Die Wurzel ist sehr kräftig und kann sich bis zu 1m! tief in den Boden graben. Sie enthält Mineralien, Inulin, Stärke und viele andere Heilstoffe (siehe unten). Sie wird am besten im Frühjahr gegraben, bevor sich die 2 jährige Pflanze erhebt und den Blütenspross bildet. Die Klette braucht viel Nährstoffe, liebt Ammoniak und wächst gerne in der Nähe von Misthaufen, bei uns wächst sie dieses Jahr neben dem Kompost.

Heilwirkung der Klette

Die Heilwirkung der Klette war bereits im Altertum bekannt und wurde von den großen Heilkundigen Dioskurides, Galen und Plinius beschrieben. In Frankreich hat die Tatsache, dass sie Heinrich den III von seiner Syphilis geheilt hat, ihr großen Erfolg eingebracht.

Im Allgemeinen ist die Klette ein starkes Blutreinigungsmittel, überall wo sich zu viele Giftstoffe im Gewebe abgelagert haben, kann man sie einsetzen. Sowohl in der westlichen, als auch in der chinesischen Kräutermedizin zählt sie zu den besten Heilmitteln für Entgiftung, sogar für die Ausleitung von Schwermetallen ist sie geeignet. Ebenso werden die ausscheidenden Organe Leber, Galle, Milz und Nieren, Blase und Haut angeregt. Die Wurzel, die viel Inulin enthält, schmeckt etwas nach Artischocke und ist in Japan ein beliebtes Gemüse (Takinogawa).

Inhaltsstoffe der Klette

Weitere Inhaltsstoffe: glycosidische Bitterstoffe ( Arctiopikrin), Flavonglycoside (Arctiin), Gerbstoffe, Polyine, Ätherisches Öl, Inulin 45-70%, Sesquiterpene. (P.Holmes beschreibt bis zu 40 untersuchte Substanzen)

Die Polyine v.a. aus der frischen Wurzel wirken Studien zufolge Deutschland (1967) Japan (1986) antibiotisch (siehe Chevallier,“Die BLV Enzyklopädie der Heilpflanzen“). Weiterhin wirkt sie antibakteriell, antimykotisch, harntreibend, blutzuckersenkend und gegen Tumoren. Arctiin ist ein mildes Muskelrelaxans.

Bei Culpepper erscheinen die Samen als geeignet, Nierensteine aufzulösen und sind auch bei Gicht und Fieber (Wind-Hitze) wirkungsvoll.

Ihre Verwendung ist möglich bei Mumps, Masern, chronischen Hautleiden und Arthritis. Toxische Prozesse wie Furunkel, Akne, Abszess und Schuppenflechte können behandelt werden.

Ihre Wirkung

Sie wirkt Östrogenstimulierend (NierenYin stärkend), bitter, scharf, kühlend, die Oberfläche klärend. Bei Mastitis können die Samen, mit kochendem Wasser überbrüht, zum Einsatz kommen.

Da sie ein uterines Stimulans ist, das Blut im Uterus bewegt, muss man sie vorsichtig in der Schwangerschaft verwenden. Gerade bei geschwächten, vergifteten Patienten, mit chronischen Zuständen, sollte man die Dosis langsam steigern und mit sanft wirkenden, stärkenden Diuretika (z.B. Löwenzahn) kombinieren, um die Ausleitung der Toxine zu unterstützen.

Wenn man dermatologischen Pathologien behandelt, muss man den Patienten auf die Möglichkeit einer Erstverschlimmerung hinweisen.

Weitere Einsatzmöglichkeiten sind:

pathogener Restfaktor (z.B.wiederkehrende Uricaria), allergische Ekzeme, Arthritis, Abszesse, Rheuma, Lymphadenitis, Adjuvans in der Krebstherapie, Umwandlung und Ausscheidung von Feuchtigkeit aus Blase und Nieren, Hauttrockenheit (Röte und Jucken), Auflösung von Depositen, Lymphstase, Ödeme, chronische Blasenentzündung, Blasenreizung, Ovarialcysten, Autoimmunerkrankungen, Inkontinenz, Bettnässen, Organprolaps, Diabethes,  Regeneration von Haut und Haarwurzeln.

Die große Klette wird gemeinsam mit Schafgarbe, Odermennig, Ehrenpreis und Eisenkraut genannt, unspektakuläre aber hoch wirksame Arzneimittel, die sanft aber ausdauernd wirken.

Aus meiner Sicht…

Ich halte diese Arzneimittelgruppe für wichtig, gerade für die chronischen Erkrankungen, die ja v.a. bei geschwächten Patienten auftreten, die evtl. sogar negativ auf zu harsche Therapien reagieren würden. So haben wir gleichzeitig eine stärkende, entgiftende und ausscheidende Wirkung.

Die Klettenwurzel „stöbert“ die Giftstoffe im Bindegewebe auf und schwemmt sie in die Blutbahn. Dadurch kann es zu sog. Erstverschlimmerungsreaktionen wie Hautauschläge (siehe oben), Müdigkeit, allgemeines Krankheitsgefühl oder Kopfschmerzen kommen, denn es handelt sich ja um eine „Vergiftung“. Deshalb ist es wichtig, eine optimale Balance zu schaffen zwischen Entgiftung und Ausscheidung und auch diuretisch wirkende Pflanzen wie z.B. Löwenzahn, Klettenlabkraut, Liebstöckel, Brennessel oder Ingwer einzusetzen.

In der chinesischen Medizin..

In der TCM werden die Samen der Pflanze verwendet. Sie sind eingeordnet bei den „die Oberfläche öffnenden und kühlenden Arzneimitteln“, haben mehr einen Windhitze klärenden Effekt und sind Schweiß produzierend bei Infekten des oberen Respirationstraktes. Sie kommen aber auch zum Einsatz bei der Ausleitung von toxischer Hitze (Karbunkel, Erytheme, Masern und Mumps) und wirken befeuchtend bei Trockenheit im Darm, sowie laxierend bei Obstipation durch Wind-Hitze. Sie helfen v.a. bei Halsentzündungen und Exanthemen bei Kindern und wirken der Tumorbildung entgegen.

In der Tat fordert eine Fülle von Indikationen uns Therapeuten heraus, in der modernen Praxis das Potential dieser Pflanze durch den Einsatz am Patienten zu bestätigen.

Quellenangaben:

Susanne Fischer-Rizzi „Medizin der Erde“(2002) Heyne, München

Andrew Chevallier „Die BLV Enzyklopädie der Heilpflanzen“(2000) BLV, München

Francoise Ramakers „TCM und westliche Kräuter, Workshop am Weissensee September 2003“

Peter Holmes „ The Energetics of Western Herbs“ Vol1&2, (1989) Snow Lotus Press, Boulder, Colorado

Jeremy Ross „ A Clinical Materia Medica“ (2010) Greenfield Press &VGM, Bad Kötzting

Florian Ploberger „ Das Große Buch der Westlichen Kräuter aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin“ (2011) BACOPA Schiedlberg Austria

Gunter Neeb „ Ausbildung in chinesischer Arzneitherapie, Seminar in Kötzting 2008“

C.-H. Hempen, T. Fischer „ Leitfaden Chinesische Phytotherapie“ (2001) Urban&Fischer, München

naturmed

Spezialist für Fachbücher aus Akupunktur, Traditioneller Chinesischer Medizin, Qigong, Naturheilverfahren, Homöopathie und Physiotherapie. Jährlich auf vielen, wichtigen Kongressen wie der TCM-Kongress in Rothenburg, dem ASA-Kongress und dem Tao-Kongress in Österreich vertreten.