Genussmittel und Drogen aus Sicht der TCM

Genussmittel und Drogen aus Sicht der TCM

- in TCM / Akupunktur
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Schwarzer Tee:

Dieser besitzt einen bitteren Geschmack, ist thermisch kühlend und verursacht einen Nieren-Yang- und Leber Blut-Mangel

Grüner Tee:

Dieser besitzt ebenfalls einen bitteren Geschmack und ist thermisch kühler als der schwarze Tee. Er führt, im Übermaß genossen, zu einem Nieren-Yang-Mangel. Grüner Tee kann eingesetzt werden, um Herz- und Magen-Feuer zu beruhigen.

Kaffee:

Kaffee hat die Fähigkeit, die Essenz (Jing) des Körpers in Qi umzuwandeln. Deswegen bekommen Menschen, die Kaffee trinken, kurzfristig das Gefühl, fit zu sein. Doch längerfristig führt Kaffee zu der gegenteiligen Wirkung: Kaffee erschöpft die Essenz (Jing). Sensible Menschen beschreiben, dass ihnen nach einer Kaffeeeinnahme kurzfristig wärmer, längerfristig aber kälter wird. (Es wird ihnen kurzfristig warm, weil Kaffee die Essenz (Jing) freisetzt und das Yang-Qi in Bewegung kommt). Längerfristig führt Kaffee jedoch zu einem Yang-Mangel mit entsprechenden Kältesymptomen. Deswegen gilt, dass Kaffee für Menschen mit Feuchter-Hitze, speziell am Vormittag eingenommen, ohne schlechtes Gewissen konsumiert werden kann. Menschen mit einem Blut- und Yang-Mangel sollten Kaffee jedoch nur in Maßen trinken. Wenn das Yin der Menschen bereits schwach ist, kann übermäßiger Kaffeegenuss zu Unruhezuständen, Palpitationen (Herzklopfen) und Schlaflosigkeit führen.

Alkohol:

Alkohol weist generell eine wärmende Wirkung auf. Kurzfristig kann Alkohol eingesetzt werden, um Qi-Stagnationen aufzulösen. Längerfristig führen die meisten alkoholischen Getränke zu Feuchter-Hitze im Bereich der Leber. Vereinfacht gilt folgende Regel: Je höher der Alkoholgehalt der Getränke ist, desto thermisch wärmender sind diese. Bier ist ein generelles Yin-Tonikum. Es nährt das Nieren-Yin und Herz-Blut und wirkt damit beruhigend. Rotwein verstärkt toxische Hitze im Blut und führt zu Herz-Feuer. Süßer Alkohol, wie verschiedene Liköre, verursacht Feuchte-Hitze. Hochprozentige Schnäpse führen, wenn sie übermäßig häufig konsumiert werden, neben einer toxischen Hitze zu einem Yin-Mangel. Dieser betrifft Nieren-, Magen- und Lungen-Bereich.

Dr. Jin Zi-Jio, ein Arzt aus der Qing-Dynastie, hat über Alkohol folgendes geschrieben:

„Alkohol weist einen gewalttätigen Charakter auf. Er beeinträchtigt die Qualität des „Shen“ und verletzt das Blut. Seine Qualität ist heiß. Hauptsächlich löst Alkohol Stagnationen und konsumiert Körpersubstanz. Zu Beginn dringt Alkohol in den Bereich der Leber und Gallenblase ein. Mit der Zeit verliert das Qi seinen nach unten zu gerichtete Flussrichtung und das Leber-Yin wird verletzt. Der Charakter des Alkohols ist sowohl feucht als auch heiß. Die Feuchtigkeit schädigt die Milz und verstärkt rheumatische Beschwerden.“

Zigaretten:

Zigaretten haben eine trocknende Wirkung und führen, wenn sie über einen längeren Zeitraum konsumiert werden, zu einem Lungen-Yin-Mangel.

Genauer betrachtet geschieht Folgendes:

Durch die Inhalation des Zigarettenrauches kann Hitze tief in den Körper eindringen. Eine bereits vorhandene Feuchtigkeit wird dadurch (scheinbar) aufgelöst. In Wirklichkeit wird die bestehende Feuchtigkeit jedoch relativ rasch in zähen Schleim (Tan) umgewandelt. Deswegen entwickeln Raucher nach längerer Zeit sowohl einen Yin-Mangel als auch eine Schleim-Problematik. Dass das Zigarettenrauchen eine austrocknende Wirkung hat, zeigt sich immer dann, wenn Menschen mit dem Rauchen aufhören: Viele nehmen dann einige Kilogramm an Körpergewicht zu. Diese Gewichtszunahme erfolgt nicht nur deswegen, weil die Sucht durch eine zusätzliche Nahrungsaufnahme kompensiert wird, sondern auch, weil die Feuchtigkeit nun nicht mehr durch die trocknende Wirkung der Zigaretten umgewandelt wird. Weiters kann festgestellt werden, dass durch das Rauchen das „Yi“ „gestärkt“ wird.

Drogen:

Menschen greifen zu den verschiedenen Arten von psychotropen Substanzen bzw. Drogen, weil deren Wirkung scheinbar angenehm für sie ist. Doch die negativen Langzeitauswirkungen des Drogenkonsums überwiegen bei weitem gegenüber den angenehmen Effekten, die kurze Zeit bestehen. Die Auswirkungen der verschiedenen Drogen sind für jeden Menschen unterschiedlich, je nachdem, welcher Inhalt in seinem individuellen „Hun“ gespeichert ist. Durch Einnahme der verschiedensten Drogen wird „Yi“ ausgeschaltet. Dies hat zur Folge, dass der Inhalt des „Hun“ an die Oberfläche des Bewusstseins kommen kann. Dies erklärt, warum manche Menschen nach einer Drogeneinnahme aggressiv, manche melancholisch und andere wiederum ängstlich werden. Der Inhalt des „Hun“ bestimmt, was nach einem Drogenkonsum mit dem jeweiligen Menschen geschieht.

Cannabis:

Die Einnahme von Cannabis in Form von Haschisch oder Marihuana führt, wie die Einnahme anderer Drogen, zu einer Ausschaltung des „Yi“. Zusätzlich führt Haschischkonsum zu toxischer Hitze im Blut und längerfristig zu der chinesischen Diagnose: „Schleim verlegt die Herzkanäle“. Die Klarheit des „Shen“ wird durch Haschischkonsum beeinträchtigt.

Weitere Drogen:

Noch stärkere Drogen (wie Kokain, Speed, LSD, Ecstasy und andere Designerdrogen) erzielen ihren psychotropen Effekt aus Sicht der chinesischen Medizin dadurch, dass sie eine stark nach oben und außen gehende Wirkrichtung haben. Das Yang-Qi wird durch sie gepuscht. Als negative Begleiterscheinung wird das Yin verletzt und dadurch kann es durch zu hohe oder zu lange Einnahme zu den typischen Symptomen der Leere-Hitze aufgrund eines Yin-Mangels kommen. Weiteres führen sie zu den Diagnosen: Herz-Feuer und „Schleim verlegt die Herz-Kanäle“.

Literaturempfehlung zum Thema Genussmittel und Drogen:

>> Hier gelangen Sie zum Buch von Dr. Florian Ploberger Psychologische Aspekte in der Traditionellen Chinesischen Medizin (2006), Schiedlberg: Bacopa.

Dr. Florian Ploberger

Dr. med. Florian Ploberger, B.Ac., MA, TCM-Arzt, Tibetologe, Fachbuchautor. Internationale universitäre und interdisziplinäre Lehrtätigkeit und zahlreiche Publikationen in den Themenbereichen Tibetische Medizin und TCM. Präsident der Österreichischen Ausbildungsgesellschaft für Traditionelle Chinesische Medizin (ÖAGTCM). Mehrere Bücher veröffentlicht. (Schwerpunkte: Westliche Kräuter aus Sicht der TCM sowie Tibetische Medizin). Von der Direktion des Men-Tsee-Khang (Institut für Tibetische Medizin und Astrologie in Dharamsala, Nordindien) mit der Übersetzung der ersten beiden und des letzten Teils des bedeutendsten Werkes der Tibetischen Medizin (rgyud bzhi) beauftragt. Weitere Informationen finden Sie unter www.florianploberger.com