Pfeiffersches Drüsenfieber – Behandlung mit TCM

Pfeiffersches Drüsenfieber – Behandlung mit TCM

- in TCM / Akupunktur
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Beitrag über infektiöse Mononucleose mit Westlichen Kräutern nach den Kriterien der Chinesischen Medizin

Birgit Baur-Müller

Das Pfeiffersche Drüsenfieber (kissing diseases) überträgt sich häufig beim Küssen.

Pfeiffersches Drüsenfieber: Anhand eines aktuellen Fallbeispiels möchte ich die Möglichkeiten erläutern, die die Chinesische Medizin zur Verfügung stellt bei der Therapie der akuten EBV-Infektion. Da die westliche Medizin hier kaum kausale Behandlungsmöglichkeiten anbietet und es zu langwierigen Krankheitsverläufen kommen kann, außerdem die Beteiligung des Virus bei der Pathogenese von Autoimmunerkrankungen diskutiert wird (1), halte ich es für eine außerordentliche Bereicherung des therapeutischen Spektrums, Westliche Kräuter nach den Kriterien der Chinesischen Medizin in der Behandlung einzusetzen. In der Vergangenheit habe ich bereits über die erfolgreiche Therapie akuter und nicht ausgeheilter Mononucleose mit Westlichen Kräutern berichtet (2).

1889 wurde von Emil Pfeiffer und anderen Autoren ein Krankheitsbild beschrieben, das später als infektiöse Mononucleose bezeichnet wurde. Das Virus gelangt meist über oralen Kontakt in den Organismus (daher auch die umgangsprachliche Bezeichnung „kissing disease“) und führt nach einer Inkubationszeit von 4-7 Wochen zu Fieber, Pharyngitis, Tonsillitis, Lymphadenitis und  Hepatosplenomegalie. Die Therapie erfolgt symptomatisch, ggf. wird Penicillin bei bakterieller Superinfektion eingesetzt (3). Besonders belastend ist neben dem akuten Krankheitsverlauf mit hohem Fieber und starken Halsschmerzen eine manchmal sehr lange Rekonvaleszenz mit Müdigkeit und Schwäche, sowie wegen geschwächtem Immunsystem rezidivierende Infekte.

Die Chinesische Medizin ermöglicht uns eine alternative Herangehensweise mit den vielfältigen Mustern, die diagnostisch zur Verfügung stehen unter Berücksichtigung der individuellen Konstitution des Patienten. In chronischen Fällen  sieht man das typische Bild des pathogenen Restfaktors, da das Virus relativ schnell in die Tiefe des Organismus vordringen kann und dort Schädigungen auf der Blut oder sogar Yin-Ebene verursachen kann, siehe oben( Mitbeteiligung bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen).  In akuten Fällen ist es auffällig, wie auch im folgenden Fall beschrieben, wie schnell eine Symptombesserung beim Patienten erreicht werden kann. Neben allgemeinen anamnestischen Kriterien wie Eindringen von pathogenem Faktor, toxischer Hitze, MilzQi-Schwäche mit Schleim, LeberQi-Stagnation und WeiQi-Schwäche ist vor allem die Zungendiagnose wichtig, um das aktuelle individuelle Muster des Patienten zu bestimmen. Anhand des folgenden Falles werde ich in der Rezeptur Pflanzen vorstellen die zur Behandlung eingesetzt werden können.

Fallvorstellung:

Die 16 jährige Patientin stellt sich in der Praxis vor wegen bereits diagnostizierter akuter Mononucleose. Vor 2 Wochen waren zunächst die Augen zugeschwollen, dann erfolgten 2 Tage von sehr hohem Fieber >40°C, danach zwischen 37°C und 38°C, weiterhin ein „komischer flauer Magen“, vor allem nach den Mahlzeiten (Milz-Beteiligung), seit 5 Tagen extremes Halsweh, die Mandeln sind vergrößert und dick belegt, eine Streptokokkenbeteiligung wurde ausgeschlossen, die Halslymphknoten sind deutlich vergrößert. Belastend ist auch eine extreme Schlappheit. Medikation 3x/tgl. 400mg Ibuprofen.

Zunge (siehe Abbildung):

rot, belaglos, gefurcht, gestaute Unterzungenvenen

Diagnose:

Toxische Hitze, Yin-Schwäche, Blutstase, MilzQi-Schwäche, LeberQi-Stagnation

Westliche Kräuterrezeptur

Ackerveilchen, Herb. Violae tricoloris Löst Ansammlungen und Lymphstau, lindert toxische Hitze im Bereich des Halses, kühlt Blut-Hitze
Mädesüß, Herb. Spireae Kühlt Hitze, löst FeuerToxin, bewegt das LeberQi, löst und zerteilt zähen Schleim
Braunwurz, Herb. Scrophulariae Bewegt das LeberQi, klärt toxische Hitze und kühlt das Blut, nährt das Yin, lindert Lymphstau
Große Klette, Rad. Bardanae Kühlt toxische Hitze bei mikrobieller Toxicose, löst HitzeToxin und pathogenen Restfaktor,
Holunder, Flos. Sambuci Kühlt äußere Wind-Hitze mit FeuerToxin, bewegt Feuchtigkeitsstagnation
Klettenlabkraut, Herb. Galii aparine Bewegt Schleim-Stagnation, bewegt Blut, löst Blutstase, lindert Fieber und Infektion, kühlt HitzeToxin, tonisiert und bewegt das Qi von Magen und Leber
Krauser Ampfer, Rad. Rumicis crispi Klärt toxische Hitze bei mikrobieller Toxicose, bewegt und tonisiert das LeberQi, löst pathogenen Restfaktor, nährt und belebt das Blut, verkleinert Tumore
Löwenzahn, Rad. Taraxaci Klärt feuchte Hitze bei mikrobieller Toxicose, beruhigt aufsteigendes LeberYang, tonisiert und bewegt das Qi der Leber, tonisiert das Qi von Milz und Magen, klärt HitzeToxin und pathogenen Restfaktor, bewegt das Blut
Ringelblume, Flos. Calendulae Kühlt toxische Hitze bei mikrobieller Toxicose, kühlt Hitze auf Blutebene, löst pathogenen Restfaktor, bewegt Blutstase, bewegt das LeberQi, kühlt äußere Wind-Hitze
Steinklee, Herb. Meliloti Beruhigt aufsteigendes LeberYang, lindert Schmerz, belebt das Blut-und Lymphsystem, klärt HitzeToxin
Schafgarbe, Herb. Millefolii Bewegt das Blut, leitet feuchte Hitze und Schleim aus, bewegt das LeberQi, bekämpfr das Eindringen von äußerer Wind-Hitze, tonisiert das WeiQi, löst pathogenen Restfaktor, tonisiert das MilzQi
Vogelmiere, Herb. Stellariae med. Nährt Yin und Flüssigkeiten, tonisiert das Lungen-und MagenYin, tonisiert das MilzQi, kühlt toxische Hitze, löst HitzeToxin,
Lungenkraut, Herb. Pulmonariae Tonisiert das LungenYin, befreit pathogenen Restfaktor in der Lunge
Salomonsiegel, Rhiz. Polygonati odorati Tonisiert Yin und Flüssigkeiten in der Lunge, tonisiert das MilzQi, lindert Entzündung und Schwellung
Sonnenhut, Rad. Echinaceae Klärt Hitzetoxin und kühlt toxische Hitze bei mikrobieller Toxicose, klärt pathogenen Restfaktor, tonisiert und reguliert das WeiQi, bewegt Lymphstau, tonisiert das MilzQi, lindert Schmerz und Schwellung
Nelkenwurz, Rad. Gei urbani Tonisiert das Qi im Allgemeinen v.a. von Milz und Magen, bewegt das LeberQi, löst zähen Schleim, bewegt das Blut

Quellenangabe: (4)

Verlauf:

Die Kräuter wurden zu gleichen Teilen, je 10.0g als Tee verordnet. Die Dosierung ist 2 Eßl./500ml, dabei erfolgt ein 2.Aufguß, sodass die tägliche Trinkmenge 1l entspricht. Zusätzlich wurde die Patientin mit Heilsteinakupunktur behandelt (5). Dabei wurden vor allem die Himmelsfensterpunkte ( Di18, Ma9, Dü16, 3E16, Quelle:((6)) ausgewählt. Vorteil dieser Methode ist, dass die Steine mehrere Tage bis Stunden verbleiben können und die Patienten ggf. selbst in der Behandlung aktiv werden können. Nach 2 Tagen erhielt ich die erste Rückmeldung der Mutter. Halsweh und die geschwollenen Mandeln sind deutlich besser, es sind kaum noch Beläge vorhanden. Das Mädchen trinkt den Tee, der zwar furchtbar schmeckt, ist jedoch überzeugt, dass „der Wundertee zur schnellen Besserung geführt hat“.

Natürlich ist es notwendig, dass nach der akuten Phase eine Weiterbehandlung erfolgt mit Einbezug der konstitutionellen Schwäche. Hier wird dann die Rezeptur entsprechend umgewandelt und ich empfehle, die Kräuter noch weitere 1-3 Monate weiterzunehmen .

Literatur zu diesem Thema

1 Hou W., Xu G., Wang H., Autoimmunerkrankungen mit Chinesischer Medizin gezielt behandeln, Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, München 2015

2 Baur-Müller, B., Die Therapie nicht ausgeheilter Mononucleose mit Westlichen Kräutern, „Qi“ Zeitschrift für Chinesische Medizin, Verlag Systemische Medizin,  Ausgabe 02/2014

3 Brandis H., Pulverer G., Lehrbuch der Medizinischen Mikrobiologie, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1988, S.654ff

4 Baur-Müller B., Westliche Heilpflanzen in der Chinesischen Medizin, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016

5 Baur-Müller B., Heilsteinakupunktur, „Qi“ Zeitschrift für Chinesische Medizin, Verlag Systemische Medizin, Ausgabe 01/2015

6 Kampik G., Propädeutik der Akupunktur, Hippokrates Verlag GmbH, Stuttgart 1997

Birgit Baur-Müller

Birgit Baur-Müller, Jahrgang 1968, 2 Töchter 17 und 28 Jahre, Studium der Humanmedizin 1988 bis 1995 an der LMU München. Von 1996 bis 2003 ÄIP und Assistenzärztin in der Gynäkologie und Geburtshilfe. Seit 1996 Studium der Akupunktur und Chinesischen Medizin, zunächst bei der DÄGfA, A-Diplom für Akupunktur, anschließend bei F. Ramakers, J. Ross, G. Maciocia, B. Kirschbaum, H. Frühauf, G. Neeb, u.a. Seit 1998 niedergelassen in privater Praxis mit Schwerpunkt, neben der Akupunktur, Westliche Kräuter in der Chinesischen Medizin.