Der diabetische Fuß in der TCM

Der diabetische Fuß in der TCM

- in TCM / Akupunktur
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TCM bei Diabetes begleitend zur klassischen Diabetes-Therapie

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) kann die westliche Therapie und Diagnose beim diabetischen Fuß sehr gut komplementär begleiten. Wichtig ist vor allem aber eine gute Blutzuckerkontrolle, um diabetischen Folgekrankheiten vorzubeugen. Dies ist nur durch westliche Antidiabetika zu erreichen. In der TCM liegt die Stärke vor allem darin, den Patienten ganzheitlich-systematischen zu betrachten und die Therapie unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Konstitution, den Jahreszeiten und den klimatischen Faktoren vorzunehmen.

Diabetes aus westlicher Sicht

In der westlichen Medizin gibt es viele Erkenntnisse zum Diabetes, vor allem auf zellulärer und genetischer Ebene. Sie hat die oralen Antidiabetika und das Insulin als Kontrolle des Blutzuckers entdeckt. Allerdings sind ihre Optionen zur Therapie der diabetischen Nephropathie, Neuropathie, arteriosklerotischen Veränderungen und dem diabetischen Fußyndrom noch sehr begrenzt.

Hier können chinesische Arzneien sehr gut ansetzen. Sie wirken bei Diabetes mellitus Typ 2, besonders bei den klassischen Symptomen.

Klassische Symptome des Diabetes:

  • Vermehrter Harndrang
  • Gesteigertes Durst- und Hungergefühl
  • Abmagerung

Diese Beschwerden können mit chinesischen Arzneimitteln und Kräutern sehr gut behandelt werden. Gerade beim diabetischen Fußsyndrom kann durch die Einnahme chinesischer Arzneien, Waschungen und eine mit westlicher Medikation kombinierte lokale Versorgung die Folgekomplikationen, wie der Fußulkus, verhindert werden.

Diabetischer Fuß

Ca. 40–70% aller nicht traumatischen Amputationen der unteren Extremitat werden bei Patienten mit Diabetes vorgenommen.

Die Hauptursachen für Ulzera und Amputationen sind:

  • Die periphere Neuropathie (ca. 50%)
  • Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) (ca. 15%)
  • Eine Kombination aus beidem (ca. 35%)

Diabetes und ihre westliche Therapie

  • Im Westen wird eine Normalisierung des Blutzuckers angestrebt
  • Sollten Perfusionsstörungen vorliegen, ist eine Gefäßrekonstruktion oder Rekanalisierung notig

Weitere westliche internistische Möglichkeiten

  • Engmaschige Kontrolle des Blutzuckerspiegels
  • Fußpflege und -gymnastik, Anleitung des Patienten zur regelmäßigen Pflege und Untersuchung der Füße
  • Optimal passendes Schuhwerk
  • Bewegungsübungen, um die Durchblutung zu unterstützen
  • Blutdrucksenkende und regulierende Therapie (dieser sollte unter 130/80 mmHg gesenkt werden)
  • Blutfettsenkende Therapie auf den Normbereich
  • Entzündungshemmende Therapie

Lokale Therapie

Reinigung der Wunde mit 0,9%iger physiologischer Kochsalzlösung, Behandlung mit einer Mischung aus Gentamycin-Injektionsflussigkeit 50.000 IE und Humaninsulin 20 IE, die getränkte Gaze wird direkt auf die Wunde gelegt. Gazenwechsel nach 15 min.

Diabetes aus Sicht der TCM

Aus chinesischer Sicht entsteht ein Fußulkus aufgrund einer energetischen Schwäche des Qi und Yins, einer Disharmonie der Funktionskreise Milz und Niere, sowie einer Blockade von Haupt- und Netzleitbahnen, einer Stase des Xue (Blutes) und einer vorliegenden Feuchten Hitze mit Toxinbeteiligung.

Die Gangrän (Schädigung des Gewebes durch Mangeldurchblutung) wird in der TCM als Gefäß- und Verlustblockade bezeichnet.

Symptome laut TCM:

  • Lange bestehender konsumierender Durst (xiaoke, situs diffundens)
  • Äußeres Trauma
  • Trockene Haut an den Füßen
  • Kalte, dunkle Haut, zyanotische Färbung, sich schwarz verfärbende Haut
  • Zyanose, Pigmentation
  • Stechende, brennende Schmerzen in den Füßen
  • Taubheitsgefühl, verlangsamte oder nicht vorhandene Sensibilität
  • Verformung der Gliedmaßen
  • Kraftlose oder fehlende Pulse
  • Wässriges oder blutiges Geschwür an den Füßen
  • Fäulnis, Ulzerationen und Gangrän
  • tung und Schwellung im Fußbereich
  • Ulzerationen, Gangrän am Fuß
  • Erschöpfte konstellierende Kraft (shen)
  • Kraftlosigkeit, Kurzatmigkeit, Redeunlust
  • Mundtrockenheit, viel Durst
  • Rote Zunge, gelber, dicker, fettiger Zungenbelag
  • blass rote Zunge mit gelbem Belag, saitenförmig-schlüpfrige Pulse (xianmai/huamai, pp. chordales/celeri)

Spezifische Symptome einer energetische Schwäche des Qi, mit Xue-Stase und Blockade der Gefäße:

  • Taubheitsgefühl in den Beinen
  • Schmerzen im Fußbereich
  • Violett-schwarz verfärbte Haut
  • Erschöpfung und Kraftlosigkeit
  • Schwache Stimme, Kurzatmigkeit und Redeunlust
  • Kalte Gliedmaßen und trockene Haut

Laborbefunde:

  • Hyperglykämie, Hypercholesterinämie und erhöhte Blutviskosität

Zunge

  • Dicke Zunge, Zahneindrücke an der Zungenspitze und –rändern. Manchmal auch violett-dunkel mit dünnem, weißem Belag

Pulse

  • Schlüpfrig oder saitenförmig

Therapieprinzip

  • Qi unterstützen, Xue bewegen, die Netzleitbahnen (luomai, reticulares) durchgängig machen
  • Schmerzen beenden

Rezeptur

  • Modifiziertes „Fünf-Bestandteile-Dekokt mit Astragalus und Cinnamomum (Huangqi guizhi wuwu tang jiaojian)

Spezifische Symptome bei einer Schwäche des Qi, mit Xue-Stase und Toxinbeteiligung:

  • Taubheitsgefühl in den Beinen
  • Brennende Schmerzen
  • Rötung und Schwellung
  • Erschöpfung und Kraftlosigkeit
  • Kurzatmigkeit
  • Hohes Fieber
  • Bewußtlosigkeit
  • Mundtrockenheit
  • Blaue Verfärbung der Füße
  • Tiefe Ulzerationen mit schlecht riechenden, eitrigem Sekret

Labor:

  • Erhöhte Leukozyten, Hyperglykämie, Hypercholesterinämie und Blutviskosität, die Bakterienkulturen sind positiv (meist Staphylococcus aureus und Bacillus pyocyaneus)

Zunge

  • Rot mit dickem, gelben Belag

Pulse

  • Schnell und schlüpfrig

Therapieprinzip

  • Qi nähren, Xue bewegen, das geradläufige Qi (zhengqi, orthopathisches Qi) unterstützen
  • Schrägläufigkeit (xie, Heteropathie) vertreiben

Rezeptur

  • Modifiziertes „Pulver, das den Eiter nach Außen gelangen lässt“ (Tounong san jiajian)

Spezifische Symptome bei einer Schwäche des Qi, mit Xue-Stase und Verlust von Jing und Xue:

  • Taubheitsgefühl in den Beinen
  • Schmerzen in den Füßen, Knien und Rücken
  • Tinnitus
  • Wiederkehrendes Fieber
  • Erschöpfung und Kraftlosigkeit
  • Mundtrockenheit und viel Durst
  • Schlechte Wundheilung mit wässrigem Sekret in geringen Mengen oder ohne Sekret
  • Abgestorbendes Gewebe welches sich ablöst, es bildet sich Granulationsgewebe

Labor:

  • Blutbild und Blutzuckerspiegel sind meist normal, Bakterienkulturen negativ. EMG und arterieller Doppler sind meist pathologisch

Zunge

  • Blassrot, gelber Belag

Pulse

  • Saitenförmig und schlüpfrig

Therapieprinzip

  • Qi nähren, Xue bewegen, das geradläufige Qi (zhengqi, orthopathisches Qi) unterstützen
  • Schrägläufigkeit (xie, Heteropathie) vertreiben

Rezeptur

  • Modifiziertes „Pulver, das das Innere stützt und entgiftet“ (Tuoli qingdu san jiajian)

Hilfreiche Akupunkturpunte beim diabetischem Fuß:

  • Bl 13 (Einflusspunkt des Lungen-Funktionskreises, feishu)
  • Bl 18 (Einflusspunkt des Leber-Funktionskreise, ganshu)
  • Bl 20 (Einflusspunkt des Milz-Funktionskreises, pishu)
  • Erfahrungspunkt yishu
  • Bl 22 (Einflusspunkt der „Drei Wärmebereiche“, sanjiaoshu)
  • Mi 6 (Die Verbindung der drei Yin, sanyinjiao)
  • Mi 10 (Meer des Xue, xuehai)
  • Gb 34 (Quelle am grabhügel, yanglingquan)
  • Ma 36 (Dritter Weiler am Fuß, zusanli)
  • Ni 3 (Mächtiger Wasserlauf, taixi)
  • Le 3 (Die mächtige große Straße, taichong)
  • Ni 1 (Die emporsprudelnde Quelle, yongquan)

Weitere chinesische Maßnahme:

  • Infusion mit Astragalus- und Angelica sinensis radix (danggui), tägl. je 100 ml dies suppletiert das Qi und belebt das Xue
  • Orale Einnahme des Pulvers, welches den Eiter nach Außen gelangen lässt (tounongsan)

Äußerliche Anwendung als Waschung:

  • Astragali radix (huangqi) 40 g
  • Sophorae flavescentis radix (kushen) 30 g
  • Lonicerae caulis (yinhuateng) 30 g
  • Kochiae fructus (difuzi) 30 g
  • Rhei radix et rhizoma (dahuang) 10 g
  • Carthami tinctorii flos (honghua) 10 g
  • Taraxaci herba (pugongying) 30 g

Wenn all diese Faktoren greifen, kann es zur Genesung des Patienten und zur Linderung von Taubheitsgefühlen und Schmerzen in den Extremitäten, sowie zur Heilung von Ulzerationen kommen.

Weitere Informationen über den diabetischen Fuß und chinesische Medizin finden Sie hier:

>>>Diabetesbehandlung mit chinesischer Medizin, Hummelsberger/Luguang

https://www.naturmed.de/tcmakupunktur/klinische-praxis/sonstige-krankheiten/3226/diabetesbehandlung-mit-chinesischer-medizin

 

Dr. Josef Hummelsberger

Dr. Josef Hummelsberger ist Facharzt für Innere Medizin, Akupunktur und Naturheilverfahren. Nach vielen Jahren in der Praxis von Hempen & Kollegen hat er seit langem eine eigene Praxis in München. Er ist Autor zahlreicher Publikationen und war von 2002-2008 Präsident der internationalen Ärztegesellschaft SMS.