Schwangerschafts-Guide der chinesischen Medizin

Schwangerschafts-Guide der chinesischen Medizin

- in TCM / Akupunktur
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oder „Die Erziehung des Fetus“

Ein Beitrag von Dr. Olivia Pojer über überlieferte „Verhaltensregel“ in der Schwangerschaft zweier berühmter chinesische Ärzte (Sun Si Miao (581-682 n.Chr.) und Dr. Xu Zi – Cai (493-572 n.Chr.)

Taijiao bedeutet „fötale Erziehung“.
Das Wort setzt sich aus den Wörtern Tai=Fötus und Jiao: erziehen, lehren zusammen und ist eine sehr traditionelle chinesische Betrachtungsweise, was in einer Schwangerschaft zum Wohle des Ungeborenen und seiner perfekten Entwicklung unterlassen, oder eben unternommen werden sollte.

Diese uns überlieferten „Verhaltensregel“ in der Schwangerschaft entstammen den Aufzeichungen zweier berühmter Herrschaften:
Sun Si Miao (581-682 n.Chr.) und Dr. Xu Zi – Cai (493-572 n.Chr.)

Das Konzept:

Die embryonale Entwicklung wird entsprechend der 10 Mondphasen in 10 Monate unterteilt, in diesen 10 Phasen werden bei dem Embryo bzw. Fötus die Organe und Meridiane angelegt.
So entspricht eine Phase immer einem bestimmten inneren Organ im Zyklus der 5 Wandlungsphasen beginnend mit Holz:

  1. Monat Leber
  2. Monat Gallenblase
  3. Monat Perikard
  4. Monat Dreifacher Erwärmer
  5. Monat Milz
  6. Monat Magen
  7. Monat Lunge
  8. Monat Dickdarm
  9. Monat Niere
  10. Monat Blase

Innerhalb jeder dieser 10 Phasen vollzieht der Embryo bzw. Fötus bestimmte Entwicklungsstufen, diese kann die Mutter mit Hilfe von bestimmten Empfehlungen bezüglich Verhalten und Lebensweise unterstützen.

Gemäß alter Überlieferungen dürfen in den 10 Phasen keine Akupunkturpunkte genadelt werden, die auf dem entsprechen Meridian für den jeweiligen Monat liegen, da der Embryo bzw. Fötus während dieses Monats über diesen Meridian ernährt wird. (hier widerspricht sich Sun Simiao allerdings teilweise selbst). Während der verschiedenen Entwicklungsphasen des Embryos gibt es diverse Empfehlungen für die Mutter, um das heranwachsende Kind positiv zu beeinflussen. Dies wird in China „Pflege des Embryos“ oder „Erziehung des Embryos“ genannt. Die Gelehrten im alten China waren schon sehr früh der Überzeugung, dass Ernährung, Lebensstil und Emotionen der Mutter auf den Embryo positiv aber auch negativ einwirken können.

1. Monat: Leber

Der Embryo wird „Tauperle“ oder „Keimling“ genannt. Er wird vom Lebermeridian versorgt und dieser Meridian sollte, entsprechend der Vorstellung, den in diesem Monat für die Entwicklung des Embryos zuständigen Meridian zu verschonen, nicht genadelt werden.

Diätempfehlung:

  • viel nährende und leicht verdaulich gekochte Kost, ein bisserl saure Lebensmittel (worauf die Mutter auch besonderen Gusto hat), Gerste lässt den Fötus normal wachsen

Allgemeine Empfehlungen:

  • Die Blutzirkulation verschlechtert sich im 1. Monat und die Frau soll sich körperlich nicht übernehmen. Sie soll Besorgnis und Ängstlichkeit vermeiden.
  • Der Fetus fühlt Schmerz wenn die Mutter exzessiver Hitze ausgesetzt ist
  • Wenn die Mutter Anstrengung, abdominelle Spannungen, häufiges Wasserlassen und ein nach unten ziehendes Gefühl hat, soll sie Hühnersuppe essen (besonders schwarzknochige Hühnersuppe)

2. Monat: Gallenblase

  • Der Embryo heißt „Pfirsichblüte“ oder weniger nett ausgedrückt „fettige Substanz“ (Gao)
  • Während dieser Zeit bilden sich die Plazenta und die Essenz des Kindes aus.
  • Zu diesem Zeitpunkt wird das Ursprungs-Qi des Fetus aktiviert, deshalb sollte die Mutter alles so leicht wie möglich nehmen
  • Während des 2. Monats wird der Embryo vom Gallenblasenmeridian versorgt, welcher nicht genadelt werden soll.

Diätempfehlung:

  • keine scharfen, trocknenden Nahrungsmittel, nicht stark gewürzt
  • Sex vermeiden ebenso wie exzessive körperliche Arbeit.

Allgemeine Empfehlungen:

  • Zu diesem Zeitpunkt kann die Mutter Gelenksschmerzen am ganzen Körper entwickeln, diese entstehen aufgrund des Wachstums des Fetus.
  • Massiver Kälte ausgesetzt zu sein kann zu Fehlgeburten führen, massive Hitze hingegen begründet einen schwachen Fetus (lässt ihn verwelken), beide extreme gilt es zu vermeiden.

3. Monat: Pericard, Herz

Die fetale Phase des Embryos beginnt, er wird ab nun Tai genannt =Fetus

Die Körperform und das Geschlecht des Embryos können sich während dieses Monats noch ändern, je nach äußerem Einfluss der Mutter:

  • Wenn sie einen Sohn möchte, soll sie Bogen schießen
  • wenn sie eine Tochter will soll sie Schmuck bearbeiten
  • für ein gutaussehendes Kind soll sie sich an wunderschöner Jade ergötzen
  • für ein gutherziges Kind soll sie so viel Zeit wie möglich stillsitzend verbringen.

Während dieses Monats wird der Embryo vom Herz Meridian versorgt, dieser sollte nicht genadelt werden.

Das Prinzip des „Beruhigen des Fötus“ sollte bei jeder Behandlung der Mutter mit einbezogen werden, dies ist wichtig zur Fehlgeburtenprophylaxe.
Hierbei festigt man das Ursprungs – Qi des Fötus, indem man das Nieren Yang der Mutter tonisiert, um den Du Mai und die anhebende Funktion des Yang zu stärken, da ein Abort durch eine absteigende Bewegung von Yin Natur gekennzeichnet ist.

Wenn die werdende Mutter abdominelles Völlegefühl, Schmerzen im Nabelbereich und nach unten ziehende Gefühle hat, soll sie Hahnsuppe essen.

Hinweise, dass es ein Junge wird:

  • Die rechte Hüfte der Mutter steht höher als die linke Hüfte, ihre rechte Brust ist größer als die linke, ihr Körper fühlt sich leicht an und die Schwangere träumt von Frauen.
  • Das Abdomen der Schwangeren steht hoch und ist in der Mitte rund
  • wenn die Schwangere gerufen wird, dreht sie sich links herum um
  • Vorliebe für saures Essen
  • Der linke Nierenpuls ist stärker als der rechte

Tipps zur Zeugung und Geburt eines Jungen:

  • Geschlechtsverkehr nach dem Eisprung!
    Wenn man berücksichtigt, daß das männliche Sperma eher Yang ist und daher schneller und lebhafter (allerdings mit einer kürzeren Lebensdauer als ein weibliches Spermium), ist die Wahrscheinlichkeit höher, daß das männliche Sperma das Ei schneller erreicht.
  • Die Schwangere sollte sich bis zum 4. Monat im Bogenschießen üben

Hinweise, dass es ein Mädchen wird:

  • Die linke Hüfte steht höher als die rechte, die linke Brust ist schwerer als die rechte, die Schwangere hat den Wunsch mit Männern zusammen zu sein und fühlt eine Anziehungskraft von Musik, Tanz und Schmuck.
    Das Abdomen der Mutter ist oben klein und unten groß
  • Wenn die Schwangere gerufen wird, dreht sie sich rechts herum um
  • Vorliebe für geschmacklich neutrales Essen
  • Der Nierenpuls ist größer als die anderen

Tipps zur Zeugung und Geburt eines Mädchens:

  • Geschlechtsverkehr vor dem Eisprung!
    Das weibliche Sperma ist eher Yin, daher langsamer aber mit einer größeren Lebenserwartung als das männliche Sperma. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein weibliches Spermium die Zeit bis zum Eisprung eher überlebt ist größer.
  • Die Schwangere sollte sich bis zum 4. Monat mit Schmuck beschäftigen

4. Monat: 3-fach Erwärmer

Während des 4. Monats beginnt der Fetus mütterliche Essenz aus der Niere zu verbrauchen um seine Blutgefäße zu formen.

Alle Yang Organe des Fetus werden während des 4. Monats geformt (Dünndarm, Dickdarm, Harnblase, Magen, Gallenblase, San Jiao)

In diesem Monat wird der Fetus vom 3 fachen Erwärmer versorgt, deshalb sollte dieser nicht genadelt werden

Diätempfehlung:

  • Reis, Fisch oder Wildgans, das macht des Fetus Qi und Blut stark, seine Augen und Ohren sensibel und klar und seine Meridiane frei von Obstruktionen.

Allgemeine Empfehlungen:

Die Mutter soll „cool bleiben“ (unter Sun Simiao hieß es „das Gemüt und den Willen harmonisieren“) und frei von emotionalen Belastungen sein, sie soll beim Essen Maß halten.

5. Monat: Milz

In diesem Monat beginnt der Fetus das Qi des Herzens (von der Mutter) zu erhalten um damit sein Gemüt/Temperament zu formen.

Deshalb ist es empfehlenswert lange zu schlafen, oft zu baden und ihre Kleidung oft zu wechseln, ausreichend angezogen zu sein und Sonnenschein ausgesetzt zu sein.
Während dieses Monats wird der Fetus vom Milzmeridian ernährt, dieser soll nicht genadelt werden

Diätempfehlungen:

  • Weizen, Reis, Bambus, Rind und Lamm und Kornelkirsche(Fructus corni), sie soll ihre Ernährung zwischen süß und sauer ausbalancieren und zwischen bitter und salzig. Das hilft um die 5 Zang-Organe (Herz, Leber, Nieren, Milz, Lunge)zu befestigen.

Allgemeine Empfehlungen:

  • Im Fötus verbindet sich jetzt die Milz Leitbahn mit den Nieren und die Extremitäten bilden sich aus, aus diesem Grund sollte sich die Schwangere nicht extremer Hitze und Strapazen aussetzen und weder hungern noch zuviel essen.
  • Sie soll keine Moxibustion erhalten und keine heißen Kompressen.

6. Monat: Magen

  • Der Fetus beginnt von der Mutter Lungen Qi zu erhalten, welches die Sehnen formt.
  • Die Mutter sollte leichte Übungen machen und ständig im Haus bleiben.
    Ebenso soll sie aufs Land fahren (geht beides?) um Pferden oder Hunden beim Laufen zuzusehen und unbedingt Wildfleisch essen-das stärkt die Sehnen und Muskeln des Fetus, macht seine Haut üppig, seinen Körper stark und seinen Rücken und die Wirbelsäule fest.
  • In diesem Monat wird der Fetus vom Magenmeridian versorgt, dieser sollte nicht genadelt werden
  • Die Augen und der Mund des Fetus werden geformt, diese werden auch von der Magenleitbahn beherrscht

Diätempfehlungen:

  • Um die „5 Geschmäcker“ zu regulieren, darf die Mutter süßen und wohlschmeckenden Nahrungsmitteln den Vorzug geben, sich jedoch nicht überessen.

Allgemeine Empfehlungen:

  • Der Fötus ist jetzt in der Lage, Freude und Leid zu erleben und beides zu unterscheiden, daher sollte die Mutter sich umso mehr ihrer Emotionen bewusst sein und diese kontrollieren.
  • In diesem Monat bewegt sich der Fetus mehr, das kann zu Ruhelosigkeit führen, wenn die Mutter ein nach unten ziehendes Gefühl verspürt, Schmerzen der Extremitäten und Ruhelosigkeit, soll sie Mai Men Dong Tang trinken

7. Monat: Lunge

Der Fetus bekommt ab jetzt das Qi der Leber der Mutter um seine Knochen zu formen.

Sie sollte genug Bewegung machen um den Qi und Blutfluss anzukurbeln,
(besonders die Gelenke bewegen durch Dehnungsübungen).

Ihr Schlafzimmer sollte trocken sein.
In diesem Monat wird der Fetus vom Lungenmeridian versorgt,
dieser sollte nicht genadelt werden

Diätempfehlung:

  • Sie sollte kalte Nahrungsmittel vermeiden und Reis und Hirse essen, das stärkt Zähne und Knochen des Fetus

Allgemeine Empfehlungen:

  • Haut und Haar des Fetus entwickeln sich in diesem Monat, die Hun-Seele beginnt einzutreten
  • Die Mutter sollte nicht mit lauter Stimme sprechen oder schreien, sie soll nicht zu dünn angezogen sein und nicht zu oft baden.
  • Kummer gilt es unbedingt zu vermeiden, denn Traurigkeit verletzt die Hun-Seele:
    Da der Fötus inzwischen in der Lage ist, Emotionen zu unterscheiden und selbst zu erleben, könnte er theoretisch schon im Mutterleib sein Hun schädigen, wenn er die Traurigkeit seiner Mutter übernimmt.
  • Wenn die Mutter ein ziehendes Gefühl nach unten, kalte Extremitäten, Rastlosigkeit, Völlegefühl, Kurzatmigkeit und Kreuzweh verspürt, soll sie Cong Bai Tang (Allium Dekokt) einnehmen

8. Monat: Dickdarm

  • Während dieses Monats beginnt der Fetus Qi der der Milz (von der Mutter) zu erhalten, welches die Entwicklung der Haut fördert und diese verdichtet.
  • Zu diesem Zeitpunkt sollte die Mutter Aufregungen vermeiden und Atemübungen machen um ihr Qi zu behalten, welches dem Fetus eine feuchte und glänzende Haut verleiht.
  • In diesem Monat wird der Fetus vom Dickdarmmeridian versorgt, dieser sollte deshalb nicht genadelt werden.
  • Die 9 Körperöffnungen bilden sich aus und die Körperseele PO dringt in das Kind ein.

Allgemeine Empfehlungen:

  • Die Mutter sollte vermeiden sich zu überessen und sich zu ärgern.
  • Wenn sie generelle Schmerzen verspürt, Wechsel zwischen kalt und warm, Ruhelosigkeit, Schwindel und verschwommenes Sehen, dann soll sie Shao Yao Tang (Paeonia Dekokt) trinken.

9. Monat: Niere

Während des 9. Monats beginnt der Fetus Essenz von der Mutter zu erhalten (die sogenannte „Steinessenz“), welche das Wachstum von Haut und Haaren vollendet. Zu diesem Zeitpunkt sind alle Organe angelegt. Jetzt verbinden sich alle Gefäße zu einem ununterbrochenen Ganzen. In diesem Monat wird der Fetus vom Nierenmeridian versorgt, der nicht genadelt werden sollte.

Diätempfehlung:

  • Die Mutter sollte süße Nahrungsmittel essen, süßen Wein trinken.

Allgemeine Empfehlungen:

  • Sie soll weite Kleidung tragen, keine einschnürenden Gürtel und nicht in feuchten Häusern wohnen. So kann das Wachstum der Haare und die Intelligenz des Kindes gefördert werden.
  • Die Schwangere sollte extrem heiße und extrem kalte Orte meiden und keine nasse Kleidung tragen.
  • Wenn die Mutter Durchfall hat, Druck vom Fetus verspürt und kurzatmig ist, dann soll sie Ban Xia Tang (Pinellia Dekokt) einnehmen.

10. Monat: Blase

Während dieses Monats sind alle Yin Organe fertig geformt und alle Yang Organe sind frei von Obstuktionen. Die Zang-Fu komunizieren miteinander.

  • Das Kind hat einen vollkommen vorhanden Shen, und das Qi von Himmel und Erde wird im Zinnoberfeld aufgenommen.
  • Die Mutter sollte auch ihr Qi auf den unteren Dantian (3 cun unterhalb des Nabels) konzentrieren um das Wachstum der fetalen Gelenke und seiner mentalen Fähigkeiten zu fördern.
  • Von diesem Moment an kann sich das Kind an seine Umgebung erinnern und es wird sich der Enge der Gebärmutter bewußt, aus der es sich zu gegebener Zeit befreien will.
  • „Wenn die Melone reif ist und von der Pflanze fällt, dann kommt es zur Geburt.“
  • In diesem Monat wird der Fetus vom Blasenmeridian versorgt, dieser sollte nicht genadelt werden-bei Steißlage wird jedoch empfohlen den Punkt Bl 67 zu moxen.

Diätempfehlung:

  • die Mutter kann roten Ginseng zu sich nehmen, um den Fötus schlüpfriger zu machen und die Geburt zu erleichtern, die jedoch erst einsetzen wird, wenn sich alles vereinigt hat und
  • der Geist des Kindes vollständig vorhanden ist.

Geschafft!

Quellen:

Maciocia: Obstetrics and gynecology in Chinese medicine

>> Hier der Link zum deutschen Buch von Maciocia Gynäkologie. Mit online-blättern-Funkion.

Silke Ahlquist: Das Lebenslos – die Entwicklung neuen Lebens aus Sicht der
chinesischen Medizin

 

 

Dr. Olivia Krammer-Pojer

Dr. Olivia Krammer-Pojer-Ärztin für Allgemeinmedizin mit einer Praxis für Akupunktur und chinesische Heilkräuter in Gleisdorf/Steiermark/AUT, Inhaberin des europäischen Akupunkturdiplomes, Studienaufenthalte in Wuhan und Nanjing um Rahmen der TCM Ausbildung, Referentin der Österreichischen Gesellschaft für kontrollierte Akupunktur, Spezialgebiet: TCM in der Gynäkologie und Kinderwunschbehandlung. Autorin des Buches Geheimnisse aus der Jadekammer, Potenzstörungen und Libidoverlust mit chin. Medizin behandeln.